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	<title>David X. Noack</title>
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	<description>Geschichte und internationale Politik im linken Fokus</description>
	<pubDate>Wed, 27 Mar 2013 14:48:31 +0000</pubDate>
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		<title>Des kleinen Drachen Hinterland</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Jan 2013 09:31:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David X. Noack</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[In keiner Region hat die Republik China (Taiwan) so  viele diplomatische Verbündete wie in Mittelamerika - ein kleiner  historischer Überblick über eine weitgehend unbekannte Allianz
Die Republik China, vor allem bekannt unter seinem Namen Taiwan, ist  international isoliert. Lediglich 23 international allgemein anerkannte  Staaten erkennen Taiwan anstatt der Volksrepublik China an. Von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4 class="subtitle">In keiner Region hat die Republik China (Taiwan) so  viele diplomatische Verbündete wie in Mittelamerika - ein kleiner  historischer Überblick über eine weitgehend unbekannte Allianz</h4>
<p>Die Republik China, vor allem bekannt unter seinem Namen Taiwan, ist  international isoliert. Lediglich 23 international allgemein anerkannte  Staaten erkennen Taiwan anstatt der Volksrepublik China an. Von diesen  Staaten liegen zwölf in Mittel- und Südamerika. Das macht das  westpazifische Taiwan zu einem diplomatischen und wirtschaftlichen  Spieler kleinerer Dimension in dieser Region.</p>
<p>Im Jahr 1949 endete der Chinesische Bürgerkrieg mit dem Rückzug der  nationalchinesischen Regierung auf die Insel Taiwan weitgehend. &#8220;Ich  werde auf das chinesische Festland zurückkehren und die Kommunisten  vernichtend schlagen&#8221;, verkündete der Präsident der Republik China,  Tschiang Kai-schek.<a id="footnoteref1_4ymcbki" class="see-footnote" title="Jede Sonne geht einmal unter, Der Spiegel 10/1950. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44447684.html" href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnote1_4ymcbki">1</a> Über das Festland hatten die chinesischen Kommunisten unter Mao  Tse-tung ihre Kontrolle etablieren können und Mao rief am 1. Oktober  1949 die Volksrepublik China aus. Für beide Seiten war der Krieg jedoch  nicht vollständig beendet; die nationalchinesische Regierung in Taipeh  ließ 1950 die südchinesischen Festlandstädte &#8220;fast unablässig&#8221;  bombardieren.<a id="footnoteref2_hcaxozp" class="see-footnote" title="Alexander Troche: &quot;Berlin wird am Mekong verteidigt&quot;: Die Ostasienpolitik der Bundesrepublik in China, Taiwan und Süd-Vietnam, 1954-1966, Düsseldorf 2001, S. 44." href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnote2_hcaxozp">2</a> Diplomatisch verlief die Konfliktlinie international eindeutig an den  Blockgrenzen: Während die realsozialistischen Staaten Europas die VR  China anerkannten, blieb die Republik China die einzige international  anerkannte chinesische Regierung. Lateinamerika unterhielt weiterhin  Beziehungen zur Republik China.</p>
<p>Taipeh behielt auch bis 1971 einen ständigen Sitz im  UN-Sicherheitsrat und war somit die gesamten 1950er und 1960er Jahre ein  international wichtiger Spieler.<a id="footnoteref3_cbonnzf" class="see-footnote" title="Bei der UN-Vollversammlungsresolution 2.758, die Taiwan den Sitz im UN- Sicherheitsrat abnahm, votierten die Staaten des lateinamerikanischen Raums unterschiedlich. Brasilien beispielsweise sprach sich dagegen aus, Mexiko, Chile und Peru dafür und Kolumbien sowie Argentinien enthielten sich." href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnote3_cbonnzf">3</a> Ideologisch versuchte die Regierung Tschiang Kai-schek mit der Gründung  der Antikommunistischen Weltliga (World Anti-Communist League, WACL)  international für Aufsehen zu sorgen. Vor allem in den 1970er und 1980er  Jahren baute die politische Führung Taiwans durch die WACL ihre  Beziehungen mit dem lateinamerikanischen Raum aus. Ein prominentes  Mitglied dieser Organisation war der argentinische Juntachef Jorge  Rafael Videla, der 1980 auf einer in Argentinien stattfindenden  Konferenz der WACL eine Rede hielt.</p>
<p>Einen tiefgreifenderen Einfluss hatten die Republik China, die World  Anti-Communist League und das Political Warfare Cadres Academy in Taipeh  auf das politische System El Salvadors. Der Gründer der ARENA-Partei,  Roberto D’Aubuisson, hatte einen Kurs auf der Political Warfare Cadres  Academy auf Taiwan absolviert und organisierte wahrscheinlich seine  rechte Partei nach dem Vorbild der taiwanesischen Kuomintang.<a id="footnoteref4_ojb6b37" class="see-footnote" title="Thomas Bodenheimer, Robert Gould: Rollback! Right-Wing Power in U.S. Foreign Policy, Brooklyn 1989, S. 76." href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnote4_ojb6b37">4</a> Weitere prominente Mitglieder der WACL umfassten Contras in Nicaragua,  die bolivianische Nationaldemokratische Aktion, die guatemaltekische  Militärpartei MLN, den paraguyanaischen Diktator Alfredo Stroessner und  die ultrarechte Bewegung Freies Costa Rica (MCRL).</p>
<p>Neben dem Versuch des Brückenschlagens über ideologische  Gemeinsamkeiten etablierte die Republik China in den 1960er Jahren eine  Entwicklungshilfepolitik, die bis heute für einige mittelamerikanische  Staaten wichtig ist. So entsandte Taiwan Hilfsmissionen im  landwirtschaftlichen Bereich sowie Arztmissionen. Nach dem Ausschluss  der Republik China aus den Vereinten Nationen 1971 verlagerte sich der  Fokus der taiwanesischen Entwicklungshilfe von Afrika auf Lateinamerika.<a id="footnoteref5_6tk8b7n" class="see-footnote" title="Gerald Chan: Taiwan as an Emerging Foreign Aid Donor: Developments, Problems, and Prospects, in: Pacific Affairs, Jg. 70, Nr. 1 (1997), S. 48 (37-56)." href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnote5_6tk8b7n">5</a> Ein ideologischer Pragmatismus gegenüber den letzten diplomatischen  Verbündeten der Republik China führte außerdem dazu, dass Taiwan auch  der kubanischen Außenpolitik beistand. So kam es, dass in den 1990er  Jahren Taiwan auch die Löhne kubanischer Ärzte auf einer Hilfsmission in  Gambia (das damals Beziehungen zu Taipeh unterhielt) bezahlte.<a id="footnoteref6_kxk0uem" class="see-footnote" title="Ian Taylor: Taiwan's Foreign Policy and Africa: The limitations of dollar diplomacy, in: Journal of Contemporary China, Jg. 11, Nr. 30 (2002), S. 131 (125-140)." href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnote6_kxk0uem">6</a></p>
<p>Neben der Entwicklungshilfepolitik entwickelte sich die Vergabe von  Krediten und Zuschüssen in den 1980er Jahren zu einem wichtigen Mittel  der taiwanesischen Außenpolitik. Beispielsweise erhielt Nicaragua nach  der Abwahl der Sandinisten 1990 einen Kredit über 100 Millionen  US-Dollar, der mit der Anerkennung der Republik China durch Managua  einherging.<a id="footnoteref7_e4qrnny" class="see-footnote" title="Gerald Chan: Taiwan as an Emerging Foreign Aid Donor: Developments, Problems, and Prospects, in: Pacific Affairs, Jg. 70, Nr. 1 (1997), S. 51 (37-56)." href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnote7_e4qrnny">7</a> Doch auch Beijing nutzte dieses Mittel auf dem diplomatischen  Schachbrett Mittelamerikas und der Karibik. 1997 offerierte die  Volksrepublik China der Inselrepublik Saint Lucia einen Kredit über eine  Million US-Dollar, sollte der Inselstaat Taiwan die diplomatische  Anerkennung verwehren und zu Peking wechseln.<a id="footnoteref8_rtp0x66" class="see-footnote" title="Ian Taylor: Taiwan's Foreign Policy and Africa: The limitations of dollar diplomacy, in: Journal of Contemporary China, Jg. 11, Nr. 30 (2002), S. 134 (125-140)." href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnote8_rtp0x66">8</a></p>
<p>In den 1990er Jahren entwickelte sich eine neue politische Bewegung  in Taiwan, die die Eigenständigkeit der Insel betont und beispielsweise  eine eigene Mitgliedschaft in der UNO unabhängig von Festlandchina  anstrebt. Diplomatische Rückendeckung für diese Politik kam erneut auch  aus dem mittelamerikanischen Raum. Während der 53. Sitzung der  UN-Vollversammlung sprachen sich 25 Staaten für die Aufnahme Taiwans als  einfaches UN-Mitglied aus, darunter waren Belize, Costa Rica, Dominica,  die Dominikanische Republik, El Salvador, Grenada, Guatemala, Honduras,  Nicaragua, Paraguay, Saint Christopher und Nevis sowie Saint Vincent  und die Grenadinen. Nahezu die Hälfte der Staaten der Pro-Taiwan-Lobby  kamen somit aus dem lateinamerikanischen und karibischen Raum. Im August  2000 setzten Repräsentanten von Honduras, Nicaragua, St. Vincent und  den Grenadinen sowie afrikanischen und südpazifischen Staaten einen  Brief auf, der die Aufnahme Taiwans als UN-Mitglied forderte.<a id="footnoteref9_4ok8u9a" class="see-footnote" title="Ian Taylor: Taiwan's Foreign Policy and Africa: The limitations of dollar diplomacy, in: Journal of Contemporary China, Jg. 11, Nr. 30 (2002), S. 137 (125-140)." href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnote9_4ok8u9a">9</a></p>
<p>Noch 1971 unterhielten 68 Staaten diplomatische Beziehungen mit der  Republik China und gleichzeitig erkannten 53 Staaten die Volksrepublik  an. 1990 hatte sich das Verhältnis auf 28 zu 139 verändert und heute  erkennen lediglich 23 Staaten Taiwan als einzige rechtmäßige Vertretung  Chinas an. Die einzige Region der Weltpolitik, in der Taiwan größeren  Rückhalt hat, ist Mittelamerika.</p>
<p>Heutzutage tritt Taiwan in Mittel- und Südamerika als Entwicklungshilfegeber<a id="footnoteref10_rbkz0n1" class="see-footnote" title="Vgl. David X. Noack: Taiwan hilft Belize bei Ernährungssicherheit, amerika21.de, 11.03.2012. http://amerika21.de/meldung/2012/03/49340/belize-taiwan-blaubarsche" href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnote10_rbkz0n1">10</a>,  diplomatischer Partner und wirtschaftlicher Akteur auf. Nach dem  Erdbeben vor der Küste Haitis im Jahr 2010 entsandte Taiwan ein  Rettungsteam auf die karibische Insel und versprach Hilfsleistungen von  fünf Millionen US-Dollar sowie 200 metrische Tonnen Reis.<a id="footnoteref11_s8bow8r" class="see-footnote" title="More aid, relief sent for Haitian quake victims, The China Post, 15.01.2010. http://www.chinapost.com.tw/taiwan/foreign-affairs/2010/01/15/240841/More-aid.htm" href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnote11_s8bow8r">11</a> Nach dem Staatsstreich 2009 gegen den rechtmäßig gewählten Präsidenten  von Honduras, Manuel Zelaya, war die Regierung Taiwans eine der wenigen,  die die Putschregierung von Roberto Micheletti anerkannte.<a id="footnoteref12_jkw9rjh" class="see-footnote" title="Trotzdem verurteilte die taiwanesische Regierung den Putsch. Vgl. Dennis Engbarth: Taiwan foreign minister says Honduras 'coup' should be 'condemned', Taiwan News, 01.07.2009. http://www.etaiwannews.com/etn/news_content.php?id=991380" href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnote12_jkw9rjh">12</a> Aufgrund der mangelnden internationalen Anerkennung blieb der Republik  China jedoch realistischerweise kaum eine andere Wahl. Wirtschaftlich  bedeutende Beziehungen unterhält Taiwan mit der Dominikanischen  Republik.<a id="footnoteref13_zdhxihz" class="see-footnote" title="Vgl. David X. Noack: Die Außenpolitik der Dominikanischen Republik, amerika21.de, 18.07.2011. http://amerika21.de/analyse/35983/die-aussenpolitik-der-dominikan" href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnote13_zdhxihz">13</a> Das Land auf der Ostseite der Insel Hispaniola hat sowohl  Freihandelsverträge mit den USA als auch mit der Republik China  abgeschlossen und ist deswegen ein wichtiger Wegpunkt taiwanesischer  Waren auf dem Weg in die Vereinigten Staaten.</p>
<p>International weitgehend isoliert ist und bleibt wohl auch auf  absehbare Zeit die Regierung der Republik China (Taiwan) ein  diplomatischer, entwicklungshilfepolitischer und wirtschaftlicher Akteur  in Lateinamerika und der Karibik.</p>
<ul class="footnotes">
<li id="footnote1_4ymcbki" class="footnote"><a class="footnote-label" href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnoteref1_4ymcbki">1.</a> Jede Sonne geht einmal unter, Der Spiegel 10/1950. <a title="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44447684.html" href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44447684.html">http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44447684.html</a></li>
<li id="footnote2_hcaxozp" class="footnote"><a class="footnote-label" href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnoteref2_hcaxozp">2.</a> Alexander Troche: &#8220;Berlin wird am Mekong verteidigt&#8221;: Die  Ostasienpolitik der Bundesrepublik in China, Taiwan und Süd-Vietnam,  1954-1966, Düsseldorf 2001, S. 44.</li>
<li id="footnote3_cbonnzf" class="footnote"><a class="footnote-label" href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnoteref3_cbonnzf">3.</a> Bei der UN-Vollversammlungsresolution 2.758, die Taiwan den Sitz im UN-  Sicherheitsrat abnahm, votierten die Staaten des lateinamerikanischen  Raums unterschiedlich. Brasilien beispielsweise sprach sich dagegen aus,  Mexiko, Chile und Peru dafür und Kolumbien sowie Argentinien enthielten  sich.</li>
<li id="footnote4_ojb6b37" class="footnote"><a class="footnote-label" href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnoteref4_ojb6b37">4.</a> Thomas Bodenheimer, Robert Gould: Rollback! Right-Wing Power in U.S. Foreign Policy, Brooklyn 1989, S. 76.</li>
<li id="footnote5_6tk8b7n" class="footnote"><a class="footnote-label" href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnoteref5_6tk8b7n">5.</a> Gerald Chan: Taiwan as an Emerging Foreign Aid Donor: Developments,  Problems, and Prospects, in: Pacific Affairs, Jg. 70, Nr. 1 (1997), S.  48 (37-56).</li>
<li id="footnote6_kxk0uem" class="footnote"><a class="footnote-label" href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnoteref6_kxk0uem">6.</a> Ian Taylor: Taiwan&#8217;s Foreign Policy and Africa: The limitations of  dollar diplomacy, in: Journal of Contemporary China, Jg. 11, Nr. 30  (2002), S. 131 (125-140).</li>
<li id="footnote7_e4qrnny" class="footnote"><a class="footnote-label" href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnoteref7_e4qrnny">7.</a> Gerald Chan: Taiwan as an Emerging Foreign Aid Donor: Developments,  Problems, and Prospects, in: Pacific Affairs, Jg. 70, Nr. 1 (1997), S.  51 (37-56).</li>
<li id="footnote8_rtp0x66" class="footnote"><a class="footnote-label" href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnoteref8_rtp0x66">8.</a> Ian Taylor: Taiwan&#8217;s Foreign Policy and Africa: The limitations of  dollar diplomacy, in: Journal of Contemporary China, Jg. 11, Nr. 30  (2002), S. 134 (125-140).</li>
<li id="footnote9_4ok8u9a" class="footnote"><a class="footnote-label" href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnoteref9_4ok8u9a">9.</a> Ian Taylor: Taiwan&#8217;s Foreign Policy and Africa: The limitations of  dollar diplomacy, in: Journal of Contemporary China, Jg. 11, Nr. 30  (2002), S. 137 (125-140).</li>
<li id="footnote10_rbkz0n1" class="footnote"><a class="footnote-label" href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnoteref10_rbkz0n1">10.</a> Vgl. David X. Noack: Taiwan hilft Belize bei Ernährungssicherheit, amerika21.de, 11.03.2012. <a title="http://amerika21.de/meldung/2012/03/49340/belize-taiwan-blaubarsche" href="http://amerika21.de/meldung/2012/03/49340/belize-taiwan-blaubarsche">http://amerika21.de/meldung/2012/03/49340/belize-taiwan-blaubarsche</a></li>
<li id="footnote11_s8bow8r" class="footnote"><a class="footnote-label" href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnoteref11_s8bow8r">11.</a> More aid, relief sent for Haitian quake victims, The China Post, 15.01.2010. <a title="http://www.chinapost.com.tw/taiwan/foreign-affairs/2010/01/15/240841/More-aid.htm" href="http://www.chinapost.com.tw/taiwan/foreign-affairs/2010/01/15/240841/More-aid.htm">http://www.chinapost.com.tw/taiwan/foreign-affairs/2010/01/15/240841/Mor&#8230;</a></li>
<li id="footnote12_jkw9rjh" class="footnote"><a class="footnote-label" href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnoteref12_jkw9rjh">12.</a> Trotzdem verurteilte die taiwanesische Regierung den Putsch. Vgl.  Dennis Engbarth: Taiwan foreign minister says Honduras &#8216;coup&#8217; should be  &#8216;condemned&#8217;, Taiwan News, 01.07.2009. <a title="http://www.etaiwannews.com/etn/news_content.php?id=991380" href="http://www.etaiwannews.com/etn/news_content.php?id=991380">http://www.etaiwannews.com/etn/news_content.php?id=991380</a></li>
<li id="footnote13_zdhxihz" class="footnote"><a class="footnote-label" href="https://amerika21.de/analyse/73886/taiwan-lateinamerika#footnoteref13_zdhxihz">13.</a> Vgl. David X. Noack: Die Außenpolitik der Dominikanischen Republik, amerika21.de, 18.07.2011. <a title="http://amerika21.de/analyse/35983/die-aussenpolitik-der-dominikan" href="http://amerika21.de/analyse/35983/die-aussenpolitik-der-dominikan">http://amerika21.de/analyse/35983/die-aussenpolitik-der-dominikan</a></li>
</ul>
<p><em>amerika21.de, 21.01.2013</em></p>
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		<title>Peru nimmt Antarktis-Station wieder in Betrieb</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Dec 2012 09:10:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David X. Noack</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Regierung Perus hat beschlossen,  die seit fünf Jahren stillliegende Antarktis-Basis Machu Picchu wieder  in Betrieb zu nehmen. Im Januar 2013 wird das peruanische  Forschungsschiff BIC Humboldt den Weg in Richtung Antarktis aufnehmen.  Nach einem Zwischenstopp in Chile werden 23 Forscher in die  Machu-Picchu-Station gebracht. Das als Fischtrawler konzipierte  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Regierung Perus hat <a href="http://en.rian.ru/science/20121220/178279501.html">beschlossen</a>,  die seit fünf Jahren stillliegende Antarktis-Basis Machu Picchu wieder  in Betrieb zu nehmen. Im Januar 2013 wird das peruanische  Forschungsschiff BIC Humboldt den Weg in Richtung Antarktis aufnehmen.  Nach einem Zwischenstopp in Chile werden 23 Forscher in die  Machu-Picchu-Station gebracht. Das als Fischtrawler konzipierte  peruanische Schiff <a href="http://www.uni-potsdam.de/u/romanistik/humboldt/hin/hin5/inh_kortum_35.htm">Humboldt</a> wurde 1979 bis 1980 mit technischer und finanzieller Hilfe der  Bundesrepublik Deutschland gebaut. &#8220;Dank der Hilfe anderer Länder  konnten wir die Machu Picchu-Station arbeitsfähig halten und sogar dort  Experimente durchführen&#8221;, sagte Nicolas Roncagliolo, der Sprecher des  peruanischen Außenministeriums.</p>
<p>Die Basis Machu Picchu wurde 1989 errichtet und besteht aus vier  Gebäuden. Die Forschungsstation liegt auf der King-George-Insel, die zu  den von Großbritannien verwalteten Süd-Shetland-Inseln gehört. Sowohl  Chile als auch Argentinien <a href="http://books.google.de/books?id=UQRDi3uHH10C&amp;pg=PA107#v=onepage&amp;q&amp;f=false">beanspruchen</a> die King George Insels für sich, letzteres Land unter dem Namen Isla  Veinticinco de Mayo. Neben Peru unterhalten Argentinien, Brasilien,  Chile, die Volksrepublik China, Ecuador, Südkorea, Polen, Russland und  Uruguay Forschungsstationen auf der Insel.</p>
<p>Im Jahr 1976 beanspruchte die Geographische Gesellschaft Perus zum  ersten Mal einen Teil der Antarktis. Dieser Anspruch wurde die folgenden  Jahrzehnte von verschiedenen peruanischen Institutionen weiter erhoben.  Seit 1981 ist Peru Mitglied des Antarktis-Vertrages, der besagt, dass  alle Signatarstaaten ihre Ansprüche auf die Antarktis Ruhen lassen und  der Südpol ausschließlich zu Forschungszwecken genutzt wird.</p>
<p class="sourceline">(<a title="David X. Noack" href="http://amerika21.de/autor/david-x-noack">dxno</a>/<a href="http://en.rian.ru/science/20121220/178279501.html">rian</a>)</p>
<p class="sourceline"><em>amerika21.de, 26.12.2012</em></p>
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		<title>Auf &#8220;populistischen Pfaden&#8221;</title>
		<link>http://davidnoack.net/v2/2012/12/auf-populistischen-pfaden/</link>
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		<pubDate>Mon, 03 Dec 2012 16:39:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David X. Noack</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Auseinandersetzungen um den bevorstehenden Verkauf eines der größten Stahlwerke Osteuropas verdeutlichen eine außenpolitische Umorientierung in der Slowakei. Der deutsche ThyssenKrupp-Konzern ist als möglicher Käufer des riesigen Stahlwerks in Košice (Ost-Slowakei) im Gespräch. Das Werk ist der größte Arbeitgeber des Landes und besitzt - auch aufgrund seiner geographischen Nähe zu den Erzlagerstätten der Westukraine - strategische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auseinandersetzungen um den bevorstehenden Verkauf eines der größten Stahlwerke Osteuropas verdeutlichen eine außenpolitische Umorientierung in der Slowakei. Der deutsche ThyssenKrupp-Konzern ist als möglicher Käufer des riesigen Stahlwerks in Košice (Ost-Slowakei) im Gespräch. Das Werk ist der größte Arbeitgeber des Landes und besitzt - auch aufgrund seiner geographischen Nähe zu den Erzlagerstätten der Westukraine - strategische Bedeutung. Die Entscheidung über den Käufer steht zu einer Zeit an, da die neue Regierung in Bratislava sich neue ökonomische und außenpolitische Spielräume gegenüber Deutschland verschaffen will. Mittel dazu sind eine enge Zusammenarbeit mit Frankreich und Russland - als Käufer des Stahlwerks in Košice ist auch ein russischer Konzern im Gespräch - und Pläne zur Rückverstaatlichung des slowakischen Erdgasmonopolisten SPP, auf den bis heute die deutsche E.ON Ruhrgas AG maßgeblichen Einfluss besitzt. Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico knüpft mit seiner vorsichtigen Opposition gegen Berlin an seine erste Amtszeit an - und erhält in Deutschland eine entsprechend schlechte Presse.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a title="Flickr" href="http://www.flickr.com/photos/fotopavolfreso/5841837817/" target="_blank"><img title="Gasparovic mit Janukowitsch in Bratislava" src="http://farm6.staticflickr.com/5102/5841837817_5fd72481f8.jpg" alt="Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch und sein slowakisches Pendant Ivan Gasparovic in Bratislava (Bildquelle: Flickr, Bratislavsky kraj)" width="500" height="335" /></a><p class="wp-caption-text">Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch und sein slowakisches Pendant Ivan Gasparovic in Bratislava (Bildquelle: Flickr, Bratislavsky kraj)</p></div>
<p>Die Macht der Konzerne</p>
<p>Aktuellen Berichten zufolge ist ThyssenKrupp, der größte Stahlkonzern Deutschlands, als Käufer von U.S. Steel Košice im Gespräch. Das Stahlwerk, das der US-Mutterkonzern abstoßen will, ist das drittgrößte slowakische Unternehmen und mit 11.000 Angestellten zudem der größte Arbeitgeber der Slowakei. Als Interessenten werden derzeit neben ThyssenKrupp die ukrainische Metinvest sowie der russische Evraz-Konzern genannt. Metinvest wird dem Umfeld des ukrainischen Staatschefs Viktor Janukowitsch zugerechnet; Evraz gehört dem russischen Oligarchen Roman Abramowitsch, der sich - wie einige andere Oligarchen auch - von Staatspräsident Wladimir Putin auszahlen ließ, damit dieser den staatlichen Einfluss auf die Wirtschaft wieder ausdehnen konnte. Das Stahlwerk Košice ist bereits das zweite in Osteuropa, das binnen nur zwei Jahren von U.S. Steel aufgegeben wird: Die größte serbische Metallhütte Zelezara Smederevo, lange ebenfalls im Besitz des US-Konzerns, wird derzeit an einen russischen Konzern übertragen. Auf dem Spiel steht in Košice damit auch eine spürbare Verschiebung des Einflusses äußerer Mächte auf die osteuropäische Industrie.</p>
<p>Nach Osten schwingen</p>
<p>Eine solche Verschiebung entspräche durchaus den Absichten der Regierung von Ministerpräsident Robert Fico. Fico hatte bereits in seiner ersten Amtszeit (2006 bis 2010) Russland und Belarus einen größeren Stellenwert in der slowakischen Außenpolitik eingeräumt. Als sich im März 2012 abzeichnete, dass er erneut die Regierungsgeschäfte führen werde, prophezeite die liberalkonservative Presse: &#8220;Die Außenpolitik wird wieder nach Osten zurückschwingen, wonach Fico schon immer das Herz stand&#8221;.[1] Als im Frühjahr Berlin und Brüssel eine Kampagne gegen die mit Russland kooperierende Regierung der Ukraine starteten, da weigerte sich der mit Fico verbündete Staatspräsident Ivan Gašparovic, sich daran zu beteiligen: &#8220;Die Ukraine ist unser Nachbar und wir sind an einem offenen Dialog mit ihr interessiert&#8221;.[2] Eine deutliche Sprache spricht die - im Westen kaum beachtete - Entscheidung der Regierung Fico, den Bau einer Breitspureisenbahn bis nach Wien weiterzuverfolgen. Bisher endet die russische Breitspurstrecke, über die Güter aus Russland Richtung Westen transportiert werden, im ostslowakischen Košice. Die russischen Staatsbahnen hegen schon lange den Plan, die Strecke zu verlängern, um die Absatzmärkte in der EU besser zu erschließen. Ficos Vorgängerregierung hatte den Ausbau der Breitspureisenbahn gestoppt; dies war keineswegs zu Unrecht als ein Affront gegen Moskau verstanden worden. Fico ist nun im Begriff, diese Entscheidung rückgängig zu machen.</p>
<p>Die gleiche Farbe</p>
<p>Auch gegenüber Westeuropa vollzieht Fico, dessen linkssozialdemokratische Regierung im Frühjahr 2012 das liberalkonservative, prodeutsche Kabinett von Iveta Radicová abgelöst hatte, einen Kurswechsel. Fico und der französische Staatspräsident François Hollande äußerten sich übereinstimmend kritisch über den von Berlin durchgesetzten Fiskalpakt. &#8220;Hollandes Einstellung ist der unsrigen sehr nahe&#8221;, erklärte der slowakische Politiker im März 2012 über die Absicht des heutigen französischen Staatspräsidenten, den Fiskalpakt neu verhandeln zu wollen: &#8220;Eine fiskale Konsolidierung, die nur auf Einschnitten basiert, ist kein guter Weg&#8221;.[3] In Paris wird die Kooperationsbereitschaft erwidert: Hollande ließ vernehmen, er trage &#8220;die gleiche Farbe wie Fico&#8221; und wolle enger mit diesem zusammenarbeiten.[4]</p>
<p>Gegen deutsche Interessen</p>
<p>Die Abkehr vom deutschen Modell drückt sich auch in handfesten ökonomischen Entscheidungen der Regierung Fico aus. So hat der slowakische Ministerpräsident im Sommer angekündigt, die &#8220;flat tax&#8221; wieder abschaffen zu wollen. Die &#8220;flat tax&#8221;, eine einheitliche Mehrwert- und Einkommenssteuer, war im Januar 2004 eingeführt worden. Als einer der führenden Köpfe bei dem Vorhaben galt damals Richard Sulík, ein Anhänger des deutschen Steuerrechtlers Paul Kirchhof; nach der Einführung der Einheitssteuer, die als sozial besonders ungerecht kritisiert wird, hatte eine bekannte deutsche Zeitschrift getitelt: &#8220;Wo Kirchhof funktioniert&#8221;.[5] Ein zweites Beispiel: Beim Verkauf des slowakischen Slovglass-Konzerns, einem für die slowakische Industrie bedeutenden Unternehmen, kam die deutsche Firma &#8220;AHG Industry&#8221; nicht zum Zug; Slovglass ging an die Firma Convey und blieb damit in slowakischem Besitz. Die Nicht-Berücksichtigung deutscher Interessen liegt auf der Linie der aktuellen Regierungspolitik in Bratislava, die die eigenen Spielräume wieder ausweiten will.</p>
<p>Rückverstaatlichung</p>
<p>Dasselbe trifft auf das Vorhaben der Regierung Fico zu, die Kontrolle über den Gasmonopolisten Slovenský plynárenský priemysel (SPP) wieder zu übernehmen. Im Zuge der Privatisierung des Unternehmens im Jahr 2002 durch die prodeutsche Regierung von Mikuláš Dzurinda (1998-2006) hatte ein Konsortium von E.ON Ruhrgas und GDF Suez 49 Prozent der Aktien und den Vorsitz wie auch die Entscheidungsgewalt über das Unternehmen (die &#8220;goldene Stimme&#8221;) übernommen. Fico hatte dagegen bereits in seiner ersten Amtszeit gedroht, das Unternehmen wieder zu verstaatlichen. Dieses Jahr hat seine Regierung das Vorhaben bestätigt, allerdings eingeräumt, zur Zeit nicht die nötigen Finanzmittel zur Verfügung zu haben. Mittlerweile tobt ein heftiger Streit zwischen beiden Seiten, der unter anderem dadurch ausgelöst wurde, dass die Regierung eine Gaspreiserhöhung verhindern will. Auf lange Sicht gilt jedoch die Übernahme der Unternehmensanteile von E.ON Ruhrgas und GDF Suez durch den slowakischen Staat als wahrscheinlich.</p>
<p>Schlechte Presse</p>
<p>Wie in ähnlichen Fällen erhält die Regierung Fico, die sich um eigene politische und ökonomische Spielräume gegenüber der deutschen Vormacht bemüht, in der Bundesrepublik weithin schlechte Presse. Fico pflege &#8220;einen autoritären Führungsstil&#8221; [6], heißt es; er wandle &#8220;auf populistischen Pfaden&#8221;, und er schere sich &#8220;bisweilen reichlich wenig um demokratische Gepflogenheiten&#8221; [7]. Urteile wie diese sind gemeinhin Politikern und Staaten vorbehalten, die sich zentralen deutschen Vorstellungen verweigern. Kooperationsbereite Regimes wie etwa diejenigen in den arabischen Golfdiktaturen bleiben regelmäßig von ihnen verschont.</p>
<p>[1] Peter Morvay: Cierna diera Európy; SME 11.10.2011</p>
<p>[2] Slovakia declines to join growing European boycott of Ukraine; The Slovak Spectator 02.05.2012</p>
<p>[3]  Slowakei: Neuer Premier Fico zweifelt am EU-Fiskalpakt; Deutsche Mittelstands Nachrichten 16.03.2012</p>
<p>[4] Hollande: Fico and I wear the same colours; we&#8217;ll cooperate in this spirit; The Slovak Spectator 21.09.2012</p>
<p>[5] Wo Kirchhof funktioniert; www.focus.de 05.09.2005</p>
<p>[6] Autoritäre Kräfte auf dem Vormarsch; Märkische Oderzeitung 12.07.2012</p>
<p>[7] Vorbild ist Polen, nicht Ungarn; Stuttgarter Zeitung 13.07.2012</p>
<p><em>german-foreign-policy.com, 03.12.2012</em></p>
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		<title>Eigenständigkeitsabstimmung auf Puerto Rico mit unklarem Ausgang</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Nov 2012 17:29:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David X. Noack</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Bei einer Abstimmung auf der US-amerikanischen Insel Puerto Rico hat sich die relative Mehrheit der Bevölkerung mit 44,6 Prozent für die weitere Zugehörigkeit zu den USA entschieden. Den zweiten Platz erreichte mit 24,3 Prozent die Option eines &#8220;souveränen und frei assoziierten Status&#8221; der Insel der Großen Antillen. Ein ebenso großer Anteil der abgegebenen Stimmen wurde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bei einer Abstimmung auf der US-amerikanischen Insel Puerto Rico hat sich die relative Mehrheit der Bevölkerung mit 44,6 Prozent für die weitere Zugehörigkeit zu den USA entschieden. Den zweiten Platz erreichte mit 24,3 Prozent die Option eines &#8220;souveränen und frei assoziierten Status&#8221; der Insel der Großen Antillen. Ein ebenso großer Anteil der abgegebenen Stimmen wurde jedoch ungültig abgegeben, rund 27 Prozent.</p>
<p>Bei einer Wahlbeteiligung von knapp 73 Prozent hat der Verbleib in der bundesstaatlichen Förderation der USA somit keine Mehrheit mehr.</p>
<p>Die liberale Volksdemokratische Partei Puerto Ricos (PPD) hatte dazu aufgerufen, beim Referendum ungültige Stimmen abzugeben. Der von der PPD befürwortete Commonwealth-Status garantiert Puerto Rico als Überseeterritorium der USA eine relative Selbstständigkeit in der Innenpolitik. Bei den gleichzeitig stattfindenden allgemeinen Wahlen hat die PPD mit knapp 48 Prozent gewonnen. Der PPD-Politiker Alejandro García Padilla wird damit im Januar das Amt des Gouverneurs der Insel übernehmen.</p>
<p>Die USA hatten Puerto Rico 1898 im Spanisch-Amerikanischen Krieg teilweise erobert. Im Frieden von Paris, 1898 geschlossen und von den USA 1899 ratifiziert, hatte Spanien das Territorium daraufhin an die USA abgetreten. Der Status der Insel änderte sich seither schrittweise von einer US-Kolonie hin zum Commonwealth.</p>
<p>Während führende US-Medien berichteten, dass die Wähler Puerto Ricos sich für die Bundesstaatlichkeit ausgesprochen haben, trat der Historiker Angel Collado-Schwartz dieser Interpretation entgegen. &#8220;Die Medien in den USA haben das Ergebnis falsch wahrgenommen. Sie meinen, die Bundesstaatlichkeit habe gewonnen, doch das stimmt nicht&#8221;, sagte Collado-Schwartz gegenüber der Huffington Post. Politische Experten und  US-Kongressmitglieder gehen jedoch ohnehin davon aus, dass das Status-Referendum aufgrund der hohen Anzahl ungültiger Stimmen keine  Auswirkung haben wird.</p>
<p class="sourceline">(<a title="David X. Noack" href="http://amerika21.de/autor/david-x-noack">dxno</a>/<a href="http://thehill.com/blogs/floor-action/house/266799-congress-expected-to-ignore-puerto-ricos-statehood-vote">thehill</a>/<a href="http://www.huffingtonpost.com/2012/11/08/puerto-rico-state-reasons-will-not-become-51st-state_n_2095366.html">hufpost</a>)</p>
<p class="sourceline"><em>amerika21.de, 18.11.2012</em></p>
<p><a href="http://flattr.com/thing/1003958/Eigenstndigkeitsabstimmung-auf-Puerto-Rico-mit-unklarem-Ausgang" target="_blank"><br />
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		<title>Transnistrien im Fokus der Großmächte</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Oct 2012 10:18:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David X. Noack</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor 20 Jahren erlangte die ostmoldawische Region Transnistrien die  faktische Unabhängigkeit von der Regierung der Hauptstadt in Chisinau.  Mit Hilfe der Armee der Russischen Föderation stoppten die  transnistrischen Milizen das Vorhaben Rumäniens und Moldawiens, die  Region wiederzuerobern. Seit dem Waffenstillstand vom 21. Juli 1992  wurde die besondere Situation einer faktischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor 20 Jahren erlangte die ostmoldawische Region Transnistrien die  faktische Unabhängigkeit von der Regierung der Hauptstadt in Chisinau.  Mit Hilfe der Armee der Russischen Föderation stoppten die  transnistrischen Milizen das Vorhaben Rumäniens und Moldawiens, die  Region wiederzuerobern. Seit dem Waffenstillstand vom 21. Juli 1992  wurde die besondere Situation einer faktischen Souveränität bei  ausbleibender internationaler Anerkennung etabliert, die bis heute  anhält. Heute gilt Transnistrien als Vorposten russischen Einflusses in  Südosteuropa und Hemmnis für die Zentralregierung in Moldawien, die in  Richtung NATO und EU strebt. Doch der „kalte“ Transnistrienkonflikt  prägt nicht nur den Einflusskampf zwischen Ost und West, sondern auch  den zwischen Deutschland einerseits und den atlantisch ausgerichteten  Staaten in Europa sowie den USA andererseits.</p>
<p><strong>Vorgeschichte</strong></p>
<p>Das heutige Moldawien, ausgeschlossen der Gebiete östlich des  Dnjestr, war in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg Teil eines  großrumänischen Staates. Eine „einheitliche Geographie des rumänischen  Volkes wurde im 19. Jahrhundert entworfen [...].“ Großrumänien schloss  Moldawien mit ein. Hierbei diente „als Nordgrenze Moldawiens der  [Dnjestr].“[1] Die Sowjetunion, die Moldawien als ehemaligen Teil des  russischen Zarenreiches erben wollte, verzichtete trotz der Annexion  Bukarests 1918 nicht auf das auch „Bessarabien“ genannte Territorium.  Als institutionalisierter Anspruch gründete Moskau 1924 die „Autonome  Sozialistische Sowjetische Republik Moldawien“ (ASSR Moldawien) östlich  des Dnjestr, eines Zuflusses des Schwarzen Meeres. Dort lebten  hauptsächlich Ukrainer und Russen neben Bulgaren, Gagausen und  Rumänen/Moldawiern. Im Zuge der Interessensphärenaufteilung zwischen der  Sowjetunion und dem Dritten Reich annektierte Moskau Moldawien im Jahr  1940 und schloss das Gebiet mit der sowjetischen ASSR Moldawien  zusammen. Nachdem im Zweiten Weltkrieg Großrumänien bis auf die Gebiete  bis zum Südlichen Bug in der Mittelukraine angeschwollen war, stellte  die Sowjetunion nach 1945 im Wesentlichen die Grenzen von 1940 wieder  her. Moldawien, mit einem vornehmlich slawisch besiedelten Osten am  Dnjestr-Fluss, fand sich im Unionsverband wieder und blieb bis 1991 im  Verbund der UdSSR.</p>
<p>Ende der 1980er Jahre gründete sich in Kernmoldawien die  Oppositionsbewegung „Volksfront“, die unter anderem von westeuropäischen  rumänischen Exilanten, die in der Zwischenkriegsrepublik Mitglieder der  faschistischen Eisernen Garde waren, unterstützt wurde.[2]  Einflussreiche Teile der moldawischen „Volksfront“ forderten den  Anschluss an Rumänien. Als ersten Schritt verabschiedete das Parlament  in Chisinau ein Sprachengesetz, welches Rumänisch zur Staatssprache  machte und viele russisch- und ukrainischsprachige Moldawier außen vor  ließ. Beim sowjetischen Referendum über die Beibehaltung des  Unionstaates boykottierte Moldawien die Abstimmung – in Transnistrien  dagegen stimmte die Bevölkerung ab und sprach sich mehrheitlich für die  Union aus. Östlich des Dnjestr hatte mittlerweile eine „Union der  Arbeiterkollektive“ die Macht übernommen.</p>
<p>Die Bedeutung des schmalen transnistrischen Landstreifens wird  deutlich, bedenkt man den wirtschaftlichen Stellenwert des Gebietes:  Auch wenn dort lediglich 17% der Bevölkerung wohnten, zeichnete das  industriell geprägte Territorium in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg  für 90% der Energieproduktion Moldawiens sowie etwa ein Drittel der  industriellen Produktion verantwortlich.[3] Das transnistrische  Kraftwerk Kuchurgan zählt bis heute zu den wichtigsten seiner Art in  ganz Europa – transnistrischen Strom aus dieser Anlage exportieren  russische Firmen nach Rumänien, Moldawien, in die Ukraine und sogar bis  nach Russland. Auch aus dem 1992 umkämpften mitteltransnistrischen  Dubasari-Damm beziehen bis heute viele Moldawier ihren Strom.</p>
<p><strong>Transnistrienkrieg und der „kalte Friede“</strong></p>
<p>Der militärische Konflikt zwischen Moldawien und der abtrünnigen  Region Transnistrien im Jahr 1992 kann als einer der kürzesten im  post-sowjetischen Raum bezeichnet werden, er gilt jedoch als besonders  brutal geführt. Viereinhalb Monate kämpfte die östliche Region des  Landes um ihre Souveränität. Hierbei unterstützten russische und  ukrainische Kosakenverbände und andere Freiwilligenformationen die  transnistrische Armee – auf moldawischer Seite halfen rumänische  Freiwillige und Militärberater. Circa 2.200 Menschen fanden im Verlauf  des Transnistrienkrieges den Tod. Kriegsentscheidend war die Rolle der  14. sowjetischen Armee, die zur 14. russischen Armee transformiert  wurde. Dieser militärische Großverband hatte seinen Sitz eigentlich in Chisinau, ab Mitte der 1980er Jahre jedoch in der transnistrischen  Hauptstadt Tiraspol. Die 14. Armee griff auf der transnistrischen  Bürgerkriegsseite ein und beendete den Krieg, nicht aber den Konflikt.</p>
<p>Nach dem Ende des Waffengangs etablierten die Konfliktpartner eine  dreiseitige ‚Gemeinsame Kontrollkommission‘, bestehend aus der  ehemaligen 14. russischen Armee, Soldaten Transnistriens und Moldawiens  sowie seit 1998 auch aus 10 Militärbeobachtern der Ukraine. Die  Konfliktparteien nahmen Verhandlungen auf, die seit 2005 im Format  „5+2“[4] unter der Schirmherrschaft der OSZE stattfinden. Auf dem  OSZE-Gipfel in Istanbul 1999 sicherte die Russische Föderation zu, ihre  Truppen bis 2002 aus Transnistrien abzuziehen – hielt dieses Versprechen  jedoch nicht.</p>
<p>Transnistrien war nicht die einzige Region mit ethnisch-territorialen  Konflikten mit der Zentralregierung in Chisinau. Als erste  Territorialeinheit im Land erklärte die südmoldawische Region Gagausien  1990 ihre Unabhängigkeit. Im Gegensatz zu Transnistrien kam es in  Gagausien nur zu kleineren Kämpfen. 1994 fanden rumpfmoldawische und  gagausische Vertreter eine Lösung für die Gagausien-Frage und  garantierten dem Gebiet territoriale Autonomie. Doch im turkbevölkerten  Süden Moldawiens regt sich seitdem weiter Widerstand gegen die  moldawische Zentralregierung. Oppositionelle Gagausier fanden unter  anderem in Transnistrien einen Exilort.[5] Engere kulturelle Beziehungen  baute Gagausien mit der Türkei auf.[6] Diplomatisch ging das  gagausische Selbstverwaltungsparlament auf einen Konfrontationskurs zu Chisinau und erkannte die Unabhängigkeit Südossetiens und Abchasiens  nach der russischen Militäroperation gegen Georgien im Jahr 2008 an.[7]  Damit stellten die gagausischen Parlamentarier klar, dass sie die  postsowjetischen Grenzen durchaus noch als veränderbar begreifen.</p>
<p><strong>Moldawische Westbindung</strong></p>
<p>In den vergangenen beiden Jahrzehnten strebten die moldawischen  Regierungen politisch in Richtung Westen. 1994 unterzeichnete Moldawien  als zweites GUS-Land überhaupt eine ‚Partnerschaft für den Frieden‘  (PfP)-Vereinbarung mit der NATO. Einen Beitritt Moldawiens zur NATO  strebt die derzeitige Regierung zwar nicht an, jedoch nehmen die  moldawischen Streitkräfte regelmäßig an NATO-Militärmanövern teil. Im  Gegensatz zum transatlantischen Militärpakt strebten die verschiedenen  moldawischen Regierungen der letzten Jahre deutlich einen Beitritt des  Landes zur EU an. Bei der Westbindung setzten die Politiker in Chisinau  nicht nur auf Brüssel, sondern auch auf Washington. Für besondere  internationale Aufmerksamkeit sorgte die Gründung des  GUUAM-Bündnisses[8] im Jahr 2001, in dem sich die pro-westlichen  Regierungen der GUS-Staaten zusammenschlossen. Moldawien war unter der  „kommunistischen“ Regierung Vladimir Voronins einer der Gründungsstaaten  dieses Bündnisses. GUUAM, nach dem Austritt Usbekistans im Jahr 2005  nur noch GUAM, strebt die Schaffung von Energiekorridoren unter Umgehung  Russlands mit aktiver Unterstützung der USA an.</p>
<p>Neben den USA, die seit 1999 den rumänischen Flughafen Mihail  Kogilniceanu als Militärbasis nutzen, hat auch die Europäische Union ein  „Sicherheitsengagement“ im Nordwesten des Schwarzen Meeres etabliert.  Seit November 2005, als in Chisinau und Kiew gleichzeitig pro-westliche  Regierungen an der Macht waren, arbeiten über 100 EU- Grenzschutz- und  Zollbeamte in Kern-Moldawien und der Ukraine, um den Schmuggel nach und  von Transnistrien zu unterbinden. Leiter der EU-Grenzmission namens  EUBAM ist derzeit der ehemalige Inspekteur der deutschen Bundespolizei  Udo Burkholder.</p>
<p><strong>Versandende Lösungsinitiativen</strong></p>
<p>Während Kern-Moldawien eine wirtschaftliche, politische und  militärische Annäherung an EU und NATO forcierte, stabilisierte sich  Transnistrien als international nicht anerkannter Staat unter der  Protektion Russlands. Moskau liefert verbilligte Gaslieferungen an  Transnistrien und deckt 70% des jährlichen Budgets der Regierung in  Tiraspol. In letzter Zeit schien Russland den Status Transnistriens als  Vorposten Moskaus in Südosteuropa auch im Raketenschirmstreit mit der  NATO ausnutzen zu wollen. Neben einem Radar des Typs Woronesh in  Kaliningrad erwägt die Kreml-Regierung laut russischen Presseberichten  die Stationierung eines Frühwarnsystems gleichen Typs sowie  Boden-Boden-Raketen des Typs Iskander in Transnistrien.[9]</p>
<p>Im Zuge des vergangenen Jahrzehnts kam es zu zwei Lösungsvorschlägen,  die den umstrittenen Status Transnistriens hätten klären können. Im so  genannten ‚Kozak-Memorandum‘ von 2003 schlug der damalige russische  Vizechef der Moskauer Präsidialverwaltung, Dmitri Kozak, eine  „asymmetrische“ Föderalisierung Moldawiens unter Gewährleistung von  Autonomieregelungen für Gagausien und Transnistrien sowie einen  30-jährigen Aufenthalt russischer Truppen in dem Land vor. Die  Staatschefs Moldawiens und Transnistriens sprachen sich Mitte November  2003 für diese Regelung aus. Doch durch eine Intervention des  US-Botschafters in Chisinau scheiterte der Plan.[10] Die USA präferieren  einen Rückzug der russischen Soldaten und einen damit einhergehenden  Einflussverlust Moskaus.</p>
<p>Ein anderer von der derzeitigen pro-westlichen Regierung Moldawiens  favorisierter Vorschlag sieht einen „Gebietsaustausch“ Transnistriens  mit anderen Territorien der Ukraine vor. In der an Moldawien grenzenden  ukrainischen Oblast Tscherniwzi gibt es mehrere Kreise mit rumänischer  bzw. moldawischer Bevölkerungsmehrheit. Für heftige Reaktionen seitens  der Ukraine sorgten Äußerungen des moldawischen Parlamentspräsidenten  Ghimpu, der retrospektiv den Austausch von Teilen Bessarabiens und der  Bukowina mit Transnistrien als bessere Lösung der ethnisch-territorialen  Probleme der Region bezeichnet hatte.[11] Mihai Ghimpu war zu dem  Zeitpunkt provisorisches Staatsoberhaupt Moldawiens.</p>
<p>Im Jahr 2009 wählten die Moldawier zwei Mal ihr Parlament, da beim  ersten Anlauf keine für die Regierung notwendige Mehrheit zustande kam.  Begleitet wurde die Zeit des „Interregnums“ durch Massendemonstrationen  und Gewaltexzesse in Chisinau. Die moldawische Regierung sah die lange  Hand Bukarests hinter den Protesten und verwies rumänische Journalisten  des Landes.[12] Kritiker der US-Außenpolitik sahen auch  Vorfeldorganisationen der Washingtoner internationalen Politik hinter  den Ereignissen die Fäden ziehen.[13] Die zweite Parlamentswahl brachte  den Kommunisten die größte Fraktion in der moldawischen Legislative, der  selbst erklärten „Allianz für die europäische Integration“ (AEI) jedoch  eine knappe Mehrheit. Obwohl die AEI nicht die erforderlichen Stimmen  hatte, um einen neuen Präsidenten zu wählen, verabschiedete sich  Vladimir Voronin von seinem Amt. Nach dem Abtritt von Präsident Voronin  von der Kommunistischen Partei der Republik Moldau (PCRM) im Jahr 2009  kam wieder Bewegung in die Transnistrienfrage. Auf Voronin folgte das  kommissarische Staatsoberhaupt Mihai Ghimpu – die Regierung in Chisinau  stellt seitdem parallel die mit ihm verbündete AEI. Teile dieses  Regierungsbündnisses streben offen den Beitritt zu Rumänien an,  sozusagen als kürzesten Weg in die EU und NATO. Auch Ghimpu selbst hat  zugegeben, so genannte „unionistische“ Ansichten zu haben –  STRATFOR-Analytiker bezeichnen ihn als „Schoßhündchen“ des rumänischen  Präsidenten.[14] Auf der rumänischen Seite steht der rechte Teil des  politischen Spektrums solch einer Idee nicht abgeneigt gegenüber: Der  liberalkonservative rumänische Präsident Traian Basescu plädiert seit  Beginn seiner ersten Amtszeit 2004 immer wieder für eine  „Wiedervereinigung“ der „zwei Staaten“, die eigentlich eine „Nation“  darstellten. Der moldawische Präsident Voronin sprach wegen solcher  Äußerungen Basescus in seinem letzten Amtsjahr von einer „permanenten  Aggression“ der rumänischen Staatsführung.[15]</p>
<p><strong>Deutsche Einflusspolitik</strong></p>
<p>Die Rückkehr der Unionisten an die Regierung in Moldawien hat also  wieder Bewegung in die Transnistrienfrage gebracht. Im Zuge des so  genannten „Meseberg-Memorandums“ zwischen Bundeskanzlerin Merkel und  Präsident Medwedew einigten sich die beiden Spitzenpolitiker im Juni  2010 auf einen Prozess, der letztendlich zur Lösung der  Transnistrienfrage im moldawischen Staatsverband beitragen soll.  Kritiker bemerkten, dass diese Annäherung Moskaus und Berlins nicht mit  anderen EU-Staaten abgesprochen war[16] und die USA vollkommen außen vor  lässt.[17] Die Politik der Berliner Regierung ist keine Überraschung.  Bereits im Falle des Machtwechsels in Kirgisistan im Jahr 2010 schien es  die Position der Bundesregierung zu sein, russische Einflussgewinne zu  akzeptieren, sofern sie gleichzeitig die Juniorrolle Deutschlands in der  Region stärken.[18]</p>
<p>Eine von Berlin und Moskau vermittelte Lösung könnte sein,  Transnistrien fünf bis 15 Prozent der Parlamentsmandate in Chisinau zu  geben. In solch einem Fall könnten die mittlerweile wieder als  pro-russisch geltenden Kommunisten Moldawiens gemeinsam mit den  transnistrischen Parlamentariern die Mehrheit und somit auch wieder die  Regierung stellen. Im transnistrischen Parlament hat derzeit die  „Erneuerungspartei“ des amtierenden Präsidenten des Gebietes die  Mehrheit – die „Erneuerer“ kooperieren mit der Partei „Einiges Russland“  von Vladimir Putin.[19] Eine pro-russische Mehrheit im Gesamtstaat wäre  somit gesichert.</p>
<p>Die Kritik von verschiedenen deutschen und rumänischen Atlantikern an  der deutschen Annäherung an die Russische Föderation öffnete eine neue  Dimension im geopolitischen Spiel um Moldawien/Transnistrien: Nicht nur  Ost und West ringen um Einfluss in dem Gebiet, sondern auch die  westlichen Mächte untereinander. Wie von Wikileaks veröffentlichte  interne Mails des US-Privatgeheimdienstes STRATFOR offenbaren, hat die  deutsche Regierung auch schon ihren Partner in Chisinau für eine  Annäherung Moldawiens und Transnistriens gefunden: Premier Vlad Filat  sei weder pro-russisch noch pro-westlich – sondern nur „pro-er  selbst“.[20]</p>
<p>Nachdem Deutschland eine Strategie und Verbündete für eine eigene  Rolle im Transnistrienkonflikt gefunden hatte, erhöhte auch Moskau den  Druck. Vor der Abwahl des transnistrischen Präsidenten im Jahr 2011  kamen Gerüchte auf, dass die russische Seite den transnistrischen  Präsidenten Igor Smirnow zunehmend unter Druck setze, die 5+2-Gespräche  wiederaufzunehmen.[21] Die Verhandlungen bei der OSZE ruhten damals seit  fünf Jahren. Trotz eines EU-Einreiseverbots kam im selben Jahr das  Oberhaupt der transnistrischen Separatistenrepublik nach Bad  Reichenhall, um sich unter deutscher Vermittlung mit dem moldawischen  Premier Vlad Filat zu treffen.[22] Beide Seiten des moldawischen  Konfliktes einigten sich bei dieser Gelegenheit auf bilaterale  Verhandlungen.</p>
<p><strong>Schwieriger Verhandlungsprozess</strong></p>
<p>Der im Juni 2010 gestartete deutsch-russische Meseberg-Prozess galt  schon nach einem Jahr als ins Stocken geraten. Zwar hielt die  Bundesregierung Soldaten bereit, die als Inspektoren nach Transnistrien  verlegt werden könnten, wie im Rahmen des Meseberg-Prozesses  vorgesehen[23], doch eine schnelle Lösung des Konfliktes trat nicht ein.  Mächtige Interessengruppen in der Region haben eher ein Interesse an  der Beibehaltung des Status quo.</p>
<p>Eine Interessengruppe, deren Wünsche oft missachtet wird, ist die der  ukrainischen Stahlbarone. Ungefähr ein Drittel des in Transnistrien  investierten Kapitals stammt aus dem östlichen Nachbarland[24] – und mit  der Regierungsübernahme Viktor Janukowitschs im Februar 2010 sind in  der Ukraine wieder die Stahlbarone an der Macht, die am meisten ein  wirtschaftliches Interesse in Transnistrien haben.[25] Im Gegensatz zur  pro-westlichen Regierung in Kiew vor 2010 steht die Regierung  Janukowitsch im Einflusswettstreit um Transnistrien auf der russischen  Seite.[26]</p>
<p>Als Rückschlag empfand die moldawische Zentralregierung die Ernennung  Dmitri Rogosins zum russischen Sondergesandten für Transnistrien im  Frühjahr 2012. Der Linksnationalist ist Vizepremier in der russischen  Regierung und damit ein diplomatisches Schwergewicht. Außerdem führte  der Ex-Botschafter Russlands bei der NATO im Transnistrienkrieg 1992  eine Gruppe russischer Freiwilliger an, die gegen die moldawischen  Truppen kämpften. Parallel zur Ernennung Rogosins beauftragte das Tandem  Medwedew-Putin Sondergesandte für die Regionen Abchasien und  Südossetien, deren Unabhängigkeit Russland nach dem georgischen  Waffengang 2008 anerkannt hat. Die Parallelität ließ in Chisinau  aufhorchen, direkte institutionelle Verbindungen Russlands mit  Transnistrien scheinen nun möglich.[27]</p>
<p>Der russische Vizepremier äußerte sich auch eindeutig, was die  russische Truppenpräsenz in der Region angeht – sein Land sei das  einzige mit einem Recht auf Friedenstruppen in dem Gebiet. Bei einem  Besuch in Tiraspol sprach sich Rogosin für die Eröffnung eines  russischen Konsulates in Tiraspol, mehr russische Investitionen in der  Region und eine Modernisierung des Waffenarsenals der russischen Truppen  aus. Im Warschauer ‚Zentrum für Oststudien‘ geht der Experte Witold  Rodkiewicz davon aus, dass Russland derzeit eine „Taiwanisierung“  Transnistriens anstrebt.[28] Die Äußerungen und Handlungen Rogosins  deuten in diese Richtung. Zuletzt trat er gemeinsam mit dem  transnistrischen Präsidenten Jewgeni Schewtschuk auf einer gemeinsamen  Pressekonferenz auf, die den Eindruck hinterließ, Transnistrien sei  bereits anerkannt und unabhängig.[29] Die offizielle russische Position  unter Rogosin ist nun wieder, dass Moskau eine Föderalisierung  Moldawiens verlangt.[30] Der russische Vizeaußenminister Grigori Karasin  stellte in letzter Zeit mehrmals klar, dass die  ‚Kozak-Memorandum‘-Lösung ideal wäre.[31]</p>
<p>Doch nicht nur den russischen Einfluss in Transnistrien will die  russische Staatsführung weiter festigen. In Rumpfmoldawien legt die  russische Politik ein „extensives und facettenreiches“ Vorgehen an den  Tag, um die „geopolitische Ausrichtung des Landes umzudrehen“, so das  polnische ‚Zentrum für Oststudien‘.[32] Diese Politik fügt sich in die  Fokussierung auf den Raum der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten ein, die  Vladimir Putin in seiner dritten Amtszeit anlegt.</p>
<p>Ein Einflussgewinn Russlands in Moldawien passt dem Westen allgemein  (außer bis zu einem gewissen Grad Deutschland, wie beschrieben) und den  USA speziell gegenwärtig  überhaupt nicht ins Konzept. In Rumänien ist  der atlantische Präsident Traian Basescu derzeit heftigen Angriffen  einer Regierungsallianz aus Nationalliberalen und Sozialdemokraten  ausgesetzt. Im Gegensatz zum Staatsoberhaupt präferiert die  sozialliberale Allianz eine pragmatische Außenpolitik, die stärker auf  Russland setzt.[33]</p>
<p>Wegen des sich nun verändernden Afghanistankonfliktes und bilateralen  Problemen mit Pakistan sind die USA aber zunehmend auf Russland  angewiesen und haben deshalb derzeit kein Interesse, dem russischen  Einflussausbau allzu massiv entgegenzutreten.[34] In Washington setzt  man wohl darauf, dass verbündete Regierungen in Litauen, Polen und  Großbritannien die US-Position vertreten.[35] Nach der Bereitstellung  eines Transport-Punktes für die NATO im russischen Uljanowsk äußerten  Kommentatoren den Verdacht, Russland lasse sich diese Kooperation nicht  nur mit Geld, sondern auch mit „geopolitischen Konzessionen“  bezahlen.[36] Eine „Wiedereingliederung“ Moldawiens in die russische  Einflusssphäre könnte solch ein Zugeständnis sein.</p>
<p><strong>Lokale Lösungen statt Schauplatz der Großmachtpolitik<br />
</strong><br />
Der Transnistrienkonflikt innerhalb Moldawiens sowie die Gagausienfrage  und die geopolitische Ausrichtung Moldawiens allgemein sind hochkomplexe  Angelegenheiten. Mehrere äußere Länder, wie Russland, Rumänien,  Deutschland, die Vereinigten Staaten, die Ukraine und die Türkei, haben  unterschiedlich gelagerte Interessen in dem südosteuropäischen Land. Ob  eine Lösung des größten ethnisch-territorialen Konfliktes zwischen Chisinau und Tiraspol realistisch ist, bleibt weiterhin unklar. Ein  wesentliches Problem besteht in den Ambitionen, dass solch eine von  Moskau und Kiew forcierte mögliche Lösung auf eine geopolitische  Neuausrichtung des Landes hinauslaufen würde. Denn ob die westlichen  Mächte zu solch einem Einflussverlust bereit sind, bleibt unklar –  Militärpräsenzen, Polizeimissionen und einseitige politische  Parteinahmen in der Region deuten eher auf das Gegenteil hin.</p>
<p>Insofern könnte es für die Konfliktparteien sinnvoll sein, sich auf  die moldawische Verfassung zu besinnen, die das Land auf die strikte  Neutralität verpflichtet. Streng genommen schließt dies russische  Truppen im Land ebenso aus wie eine Teilnahme an dem NATO-Programm  Partnerschaft für den Frieden (oder in letzter Konsequenz auch eine  Mitgliedschaft in der Europäischen Union, die mittlerweile auch ein  Militärbündnis ist).</p>
<p>Die Absage beider lokaler Konfliktparteien, im Gerangel der  Großmächte als Schauplatz zu dienen, könnte wiederum den Weg für lokale  Lösungsmöglichkeiten frei machen, die nicht von außen torpediert werden –  dies wäre zumindest das ideale Szenario. Dass dies durchaus Erfolg  zeitigen könnte, zeigt, dass der erste Regierungswechsel in der  Geschichte Transnistriens neue Bewegung in die  moldawisch-transnistrischen Beziehungen brachte. Ende April 2012 nahm  die moldawische Eisenbahn zum ersten Mal seit sechs Jahren den  moldawisch-ukrainischen Eisenbahnverkehr wieder auf. Durch den direkten  Weg können moldawische Züge einen Umweg von bis zu 400 km vermeiden. Die  Einigung kam nach Treffen von transnistrischen und moldawischen  Spitzenpolitiker ohne die Vermittlung von außen zustande, wie Filat  erklärte.[37] Dies könnte eine Blaupause für die weiteren Versuche  darstellen, zu einer Lösung des Konfliktes zu gelangen – sofern die an  Eigeninteressen orientierten Großmächte dies zulassen.</p>
<p><strong>Anmerkungen</strong></p>
<p>[1] Georgeta Daniela Oancea: Mythen und Vergangenheit – Rumänien nach der Wende, Diss., München 2005, S. 85/86.</p>
<p>[2] Vladimir Solonari im Gespräch mit Hannes Hofbauer, in: Hannes  Hofbauer: Transnistrien: Niemandsland Am Dnjestr – Europas inexistente  Republik an der Schnittstelle zwischen Ost und West, in: Hannes  Hofbauer: Mitten in Europa: Politische Reiseberichte aus  Bosnien-Herzegowina, Belarus, der Ukraine, Transnistrien/Moldawien und  Albanien, Wien 2006, S. 130.</p>
<p>[3] Trevor Waters: Russian peacekeeping in Moldova: Source of  stability or neo-imperialist threat?, in: John MacKinlay; Peter Cross  (Hgg.): Regional Peacekeepers: The Paradox of Russian Peacekeeping, New  York/Paris 2003, S. 135.</p>
<p>[4] EU, USA, Russland, Ukraine und OSZE (5) sowie Moldawien und Transnistrien (2).</p>
<p>[5] Hofbauer: Transnistrien: Niemandsland Am Dnjestr, S. 141.</p>
<p>[6] Thomas Gassler: Die Gagausen – Eine mustergültige Minderheit, Eurasisches Magazin, 04.11.2009.</p>
<p>[7] Gagauzia’s Parliament recognizes Abkhazia and South Ossetia, 19.09.2008, www.regnum.ru/english/1057573.html.</p>
<p>[8] Georgien, Ukraine, Usbekistan, Aserbaidschan und Moldawien.</p>
<p>[9] Irina Wolkowa: Trumpfkarte Transnistrien?, Neues Deutschland, 20.04.2012.</p>
<p>[10] Hofbauer: Transnistrien: Niemandsland Am Dnjestr, S. 146/147  sowie Wolfgang Grabowski: Russland auf dem Weg zu neuer Macht, Berlin  2008, S. 11.</p>
<p>[11] Manfred Schünemann: Kiew blickt mit Sorge nach Chisinau, Neues Deutschland, 06.10.2010.</p>
<p>[12] Moldawien weist drei rumänische Journalisten aus, 09.04.2009, de.rian.ru/post_soviet_space/20090409/120995293.html.</p>
<p>[13] José Miguel Alonso Trabanco: Who is behind Moldova’s Twitter  Revolution?, 11.04.2009,  www.globalresearch.ca/who-is-behind-moldova-s-twitter-revolution/.</p>
<p>[14] INSIGHT – MOLDOVA – part 1 – Internal fight &amp; Russia’s hand, STRATFOR-E-Mail vom 01.10.2010.</p>
<p>[15] Ulrich Schmid: Spannung zwischen der Moldau und Rumänien, Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2007.</p>
<p>[16] Stefan Meister: Deutsche Ostpolitik – Ist eine Partnerschaft mit Polen möglich?, DGAPanalyse September 2011, S. 4.</p>
<p>[17] Ein Testlauf für Eurasien, 05.09.2011, <a class="autohyperlink" title="http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58134." href="http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58134." target="_blank">www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58134.</a></p>
<p>[18] Die Grenzen amerikanischer Einflussnahme, 26.04.2010, <a class="autohyperlink" title="http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57793." href="http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57793." target="_blank">www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57793.</a></p>
<p>[19] Edinoros.ru: Pridnestrovie expresses thanks to the United Russia party for its support, 25.05.2010, <a class="autohyperlink" title="http://eng.obnovlenie.info/news.php?id=247." href="http://eng.obnovlenie.info/news.php?id=247." target="_blank">eng.obnovlenie.info/news.php?id=247.</a></p>
<p>[20] [alpha] INSIGHT – Russian &amp; German deal over Moldova, STRATFOR-E-Mail vom 16.06.2011.</p>
<p>[21] Moskau setzt Transnistriens Republikchef unter Druck –  „Kommersant“, 12.09.2011,  de.rian.ru/post_soviet_space/20110912/260552805.html.</p>
<p>[22] Ebenda.</p>
<p>[23] Antwort der Bundesregierung, Deutscher Bundestag Drucksache 17/8239.</p>
<p>[24] Transnistrian Problem: A View from Ukraine, Strategic and Security Studies Group, Kiew 2009, S. 25.</p>
<p>[25] Alyona Getmanchuk: The EU and Conflicts in the Eastern Partnership – A view from Ukraine, HBS 22.09.2010.</p>
<p>[26] Ukraine supports the Russian position on Transnistria, Centre for Eastern Studies, 19.05.2010.</p>
<p>[27] Vladimir Socor: Rogozin Institutionalizing Direct Relations with Transnistria, Eurasia Daily Monitor, Jg. 9, Nr. 79.</p>
<p>[28] Witold Rodkiewicz: Russia’s strategy towards Moldova: continuation or change?, OSW Commentary, 19.04.2012.</p>
<p>[29] Vladimir Socor: Putin Suggests Transnistria Self-Determination,  Rogozin Displays Transnistria Flag, Eurasia Daily Monitor, Jg. 9, Nr.  149.</p>
<p>[30] Vladimir Socor: Russia Multiplies Conditions for Conflict-Resolution in Moldova, Eurasia Daily Monitor, Jg. 9, Nr. 145.</p>
<p>[31] Vladimir Socor: ‘Federalization’ Is Back on Russia’s Agenda for Moldova, Eurasia Daily Monitor, Jg. 9, Nr. 145.</p>
<p>[32] Rodkiewicz: Russia’s strategy towards Moldova: continuation or change?.</p>
<p>[33] Vladimir Socor: Voice of Russia Campaigns for Removal of  Romanian President Basescu, The Jamestown Foundation – Hot Issue, 20.  August 2012.</p>
<p>[34] [alpha] INSIGHT – Russian &amp; German deal over Moldova, STRATFOR-E-Mail vom 16.06.2011.</p>
<p>[35] Ebenda.</p>
<p>[36] Streitkräfte und Strategien, NDR Info 28.07.2012.</p>
<p>[37] Hanns-Seidel-Stiftung: Quartalsbericht Republik Moldau, 1/2012.</p>
<p><em>IMI-Analyse 2012/021, in: AUSDRUCK (Oktober 2012), veröffentlicht am: 11. Oktober 2012.</em> <strong><a href="http://www.imi-online.de/download/DN-Transnistrien-AusdruckOkt12.pdf">Hier als PDF</a></strong></p>
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		<item>
		<title>Garibaldis Kampf für die Republik Rio Grande do Sul</title>
		<link>http://davidnoack.net/v2/2012/09/garibaldis-kampf-fur-die-republik-rio-grande-do-sul/</link>
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		<pubDate>Sat, 22 Sep 2012 08:40:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David X. Noack</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Vorkämpfer für die Einheit Italiens, Giuseppe Garibaldi, diente eine Weile für eine brasilianische Separatistenrepublik
Vielen Europäern ist Giuseppe Garibaldi als Held der italienischen Einheit, Vorkämpfer des Republikanismus sowie Sympathisant der europäischen Arbeiterbewegung bekannt. Weitgehend unbekannt ist seine Zeit in Lateinamerika, als er auf der Seite der international nicht anerkannten Republik Rio Grande do Sul kämpfte.
Nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4 class="subtitle">Der Vorkämpfer für die Einheit Italiens, Giuseppe Garibaldi, diente eine Weile für eine brasilianische Separatistenrepublik</h4>
<p>Vielen Europäern ist Giuseppe Garibaldi als Held der italienischen Einheit, Vorkämpfer des Republikanismus sowie Sympathisant der europäischen Arbeiterbewegung bekannt. Weitgehend unbekannt ist seine Zeit in Lateinamerika, als er auf der Seite der international nicht anerkannten Republik Rio Grande do Sul kämpfte.</p>
<p>Nach einem missglückten republikanischen Aufstand floh der junge Offizier der königlich-sardinisch-piemontesischen Marine Giuseppe Garibaldi im Frühjahr 1834 aus Europa. Nach einer Zwischenstation in Tunesien setzte Garibaldi, der in Nizza in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden war, seine Reise nach Brasilien fort. Nach einem kurzen Aufenthalt in Rio de Janeiro, wo der Italiener einen Freund traf, reiste Garibaldi weiter in die südliche Provinz Rio Grande do Sul. Dort hatten Gauchos, Nachfahren von Spaniern und Indios, die sich auch Farrapen (&#8221;farrapos&#8221;) nannten, einen Aufstand gegen das Kaiserreich Brasilien unter Kaiser Peter II. (Pedro II.) begonnen.</p>
<p>Am 20. September 1836 proklamierte der brasilianische General Antônio de Sousa Neto die Unabhängigkeit der &#8220;Republik Rio Grande do Sul&#8221; (auch genannt Riograndensische Republik oder Republik Piratini). Die Stadt Piratini im südbrasilianischen Hochland, etwa 100 Kilometer von der Grenze zu Uruguay entfernt, wurde die erste Hauptstadt der Republik, was einige Historiker dazu verleitet, den Staat als Republik Piratini zu bezeichnen. Zum ersten Präsidenten der Republik ernannte General Neto den Monarchisten Bento Gonçalves da Silva. Der wirtschaftliche Hintergrund der Sezession des Gebietes war eine Freihandelspolitik der brasilianischen Zentralregierung, die den lokalen Oligarchien der Südprovinzen entgegenlief.</p>
<p>Wie es sich für einen unabhängigen Staat gehört, richteten die Revolutionäre der so genannten Farrapen-Revolution Ministerien ein, bauten eine Armee auf und gaben die Zeitung &#8220;O Povo&#8221; (Das Volk) heraus. Bereits wenige Monate nach Garibaldis Ankunft zogen die riograndensischen Behörden sowie die Zeitung in das 170 km Fußmarsch entfernte nordwestlichere Caçapava um.<a id="footnoteref1_9c1ij5e" class="see-footnote" title="Ridley, Jasper: Garibaldi, London 1974, S. 71." href="http://amerika21.de/analyse/56597/garribaldi-riogrande#footnote1_9c1ij5e">1</a></p>
<p>Die Republik Rio Grande do Sul führte in Anlehnung an die Französische Revolution einen neuen Kalender ein, der die Jahre ab dem 20. September 1835 zählte.<a id="footnoteref2_cg83ltn" class="see-footnote" title="Ebenda, S. 76." href="http://amerika21.de/analyse/56597/garribaldi-riogrande#footnote2_cg83ltn">2</a> Entgegen den freiheitlichen Zielsetzungen schafften die Farrapen die Sklaverei nicht ab – lediglich freiwillig Militärdienst leistenden Sklaven wurde die Freiheit geschenkt.</p>
<p>Das brasilianische Kaiserreich schickte mehrere tausend Soldaten in den Krieg, um die Riograndensische Republik wieder zurückzuerobern. Die Höchstzahl der kaiserlichen Truppen betrug in etwa 10.000 Soldaten. Im Separatistenstaat konnte die offizielle Armee in etwa 6.000 Mann aufbieten, um die Selbstständigkeit zu behaupten. Bei einer Bevölkerungszahl von 160.000 Frauen und Männern eine beachtliche Zahl.<a id="footnoteref3_w349jzf" class="see-footnote" title="Gesamtbrasilien hatte damals 4,17 Millionen Einwohner. Vgl. Ebenda, S. 72." href="http://amerika21.de/analyse/56597/garribaldi-riogrande#footnote3_w349jzf">3</a> Das Hauptproblem für beide Armeen in dem Konflikt war es, in dem spärlich besiedelten Gebiet den Feind zu finden. Meist kam es nur zu kleinen Scharmützeln zwischen nicht einmal 100 Mann starken Infanteriegruppen.<a id="footnoteref4_28kugyk" class="see-footnote" title="Ebenda." href="http://amerika21.de/analyse/56597/garribaldi-riogrande#footnote4_28kugyk">4</a> Schwere Verwundungen bedeuteten oft den Tod, da es kaum eine ärztliche Versorgung für die Soldaten gab.</p>
<p>Nach der Schlacht von Rio Pardo im Jahr 1838 zogen sich die kaiserlichen Truppen weitgehend aus Rio Grande do Sul zurück und die selbst erklärte Republik konnte ihre Macht stabilisieren. Die Kaiserlichen hielten fortan lediglich die Hafenstädte Porto Alegre, Rio Grande und São José do Norte und verwickelten die Republikaner in kleine Scharmützel, um sie schleichend aufzureiben. Im Jahr 1839 konnten die Revolutionäre kurzzeitig die republikanische Staatsform auf die  südbrasilianische Provinz Santa Catarina ausdehnen. In der nördlich von Rio Grande liegenden Provinz gab es Zentren radikaler Intellektueller, die Kontakt mit Bento Gonçalves aufgenommen hatten, um einen republikanischen Aufstand mit einem Einmarsch der riograndensischen Armee zu koordinieren.</p>
<p>Guiseppe Garibaldi, zum Kapitänleutnant und somit Oberbefehlshaber der riograndensischen Marine ernannt, hatte den Plan gefasst, seeseitig an der Schlacht um Laguna (Santa Catarina) teilzunehmen. Da die kaiserlichen Truppen die riograndensischen Häfen kontrollierten, wollte er seine beiden Schiffe mit einem speziellen Gefährt und 200 Ochsen drei Tage über den Landweg zu transportieren und die &#8220;Rio Pardo&#8221; und  &#8220;Seival&#8221; (benannt nach den wichtigsten Siegen der riograndensischen  Republik) an einer unbewachten Stelle in den Atlantik lassen. Der spektakuläre Transport gelang.<a id="footnoteref5_o1099s9" class="see-footnote" title="Ebenda, S. 80." href="http://amerika21.de/analyse/56597/garribaldi-riogrande#footnote5_o1099s9">5</a> Das im Atlantik fahrende Schiff &#8220;Rio Pardo&#8221; konnte jedoch nicht bis nach Laguna fahren, da sie von einem heftigen Sturm getroffen und aufgegeben werden musste. Auf dem Schwesterschiff &#8220;Seival&#8221; reiste die riograndensische Marine weiter und nahm erfolgreich an der für die Republikaner siegreichen Schlacht von Laguna teil.</p>
<p>Vier Tage nach der Einnahme Lagunas durch die Riograndenser unterzeichnete der kaiserlich-brasilianische Oberst David Canabano am 24. Juli 1839 die Unabhängigkeitserklärung von Santa Catarina. Die Staatsform sollte fortan ebenso wie in Rio Grande do Sul die Republik sein. Canabano erhielt den Posten des Oberbefehlshabers und viele Lokalpolitiker aus Laguna erhielten Ministerposten in der &#8220;Republik Juliana&#8221;, benannt nach dem Monat der Befreiung vom brasilianischen Kaiserreich. Die Rolle des Außenministers nahm der italienische  Intellektuelle Luigi Rossetti ein, der gemeinsam mit Guiseppe Garibaldi  und anderen Italienern an der Farrapenrevolution teilgenommen hatte.<a id="footnoteref6_q3epziw" class="see-footnote" title="Ebenda, S. 83/84." href="http://amerika21.de/analyse/56597/garribaldi-riogrande#footnote6_q3epziw">6</a></p>
<p>Die Einnahme von Teilen Santa Catarinas stellte den Höhepunkt der Macht der Separatistenrepublik Rio Grande do Sul dar. Noch im November 1839 konnten die kaiserlichen Truppen Santa Catarina wieder einnehmen.  Die Armeen von Rio de Janeiro (bis 1960 Hauptstadt Brasiliens) konnten wichtige Stellungen im Süden des Landes zurückerobern. Die Republik Rio  Grande do Sul nahm 1842 eine republikanische Verfassung an – doch militärisch hatten die Kaiserlichen wieder die Oberhand gewonnen. Im Frieden von Ponche Verde 1845 einigten sich die Republikaner und Kaiserlichen auf ein Ende der Feindseligkeiten. Garibaldi war bereits drei Jahre zuvor nach Uruguay weiter gezogen und kämpfte im uruguayischen Bürgerkrieg auf der Seite der liberalen Colorado-Partei.</p>
<p>Die südbrasilianische Episode der militärischen Abenteuer Giuseppe Garibaldis ist vielen Europäern nicht bekannt. Sie ist jedoch historisch von Bedeutung, da Garibaldi dort zum ersten Mal kleinere militärische Einheiten befehligte – die spätere Grundlage seiner Guerillakriegsführung. Das Phänomen der Republik Rio Grande do Sul war eine interessante Bewegung, die zum Ziel hatte, gewisse Errungenschaften der Französischen Revolution auf den südamerikanischen Kontinent zu bringen.</p>
<p><a class="footnote-label" href="http://amerika21.de/analyse/56597/garribaldi-riogrande#footnoteref1_9c1ij5e">1.</a> Ridley, Jasper: Garibaldi, London 1974, S. 71.<br />
<a class="footnote-label" href="http://amerika21.de/analyse/56597/garribaldi-riogrande#footnoteref2_cg83ltn">2.</a> Ebenda, S. 76.<br />
<a class="footnote-label" href="http://amerika21.de/analyse/56597/garribaldi-riogrande#footnoteref3_w349jzf">3.</a> Gesamtbrasilien hatte damals 4,17 Millionen Einwohner. Vgl. Ebenda, S. 72.<br />
<a class="footnote-label" href="http://amerika21.de/analyse/56597/garribaldi-riogrande#footnoteref4_28kugyk">4.</a> Ebenda.<br />
<a class="footnote-label" href="http://amerika21.de/analyse/56597/garribaldi-riogrande#footnoteref5_o1099s9">5.</a> Ebenda, S. 80.<br />
<a class="footnote-label" href="http://amerika21.de/analyse/56597/garribaldi-riogrande#footnoteref6_q3epziw">6.</a> Ebenda, S. 83/84.</p>
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		<title>Deutsche Finanzprofiteure</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Sep 2012 07:32:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David X. Noack</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[In  einem seltenen Beispiel offenen Widerspruchs gegen Deutschland  protestiert der Finanzminister Luxemburgs gegen den Ankauf gestohlener  Bankkundendaten durch deutsche Behörden. Deutschland und die Schweiz  sollten ihren Steuerstreit durch das vorgesehene Abkommen lösen: Die vom  deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen praktizierte Methode, mit dem  Erwerb illegaler Daten eine Straftat nach Schweizer Recht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In  einem seltenen Beispiel offenen Widerspruchs gegen Deutschland  protestiert der Finanzminister Luxemburgs gegen den Ankauf gestohlener  Bankkundendaten durch deutsche Behörden. Deutschland und die Schweiz  sollten ihren Steuerstreit durch das vorgesehene Abkommen lösen: Die vom  deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen praktizierte Methode, mit dem  Erwerb illegaler Daten eine Straftat nach Schweizer Recht zu begehen, um  deutsche Staatsbürger des Steuerbetruges zu überführen, könne er als  &#8220;Freund beider Seiten&#8221; nicht begrüßen, erklärt Luc Frieden. Der  Widerspruch folgt den eigenen nationalen Interessen: Luxemburg wird als  Finanzplatz ebenfalls von Deutschen nicht nur genutzt, um höchst  profitable Bankgeschäfte abzuwickeln, sondern auch, um ihre Steuern am  Fiskus vorbeizuschleusen. Dass Luxemburg überhaupt zu einem  herausragenden Finanzzentrum wurde, das hat auch mit der deutschen  Wirtschaftsdominanz zu tun, die schon im 19. Jahrhundert außergewöhnlich  stark war. Heute führt sie dazu, dass prominente Politiker des Landes  als ungemein verlässliche Verbündete der Bundesrepublik gelten.</p>
<div class="chapter"></p>
<div class="title">Im deutschen Zollverein</div>
<p>
<div class="para">Luxemburg, auf dem Wiener Kongress 1815 aus der Taufe  gehoben, war von Anfang an systematischer deutscher Einflussnahme  ausgesetzt. Das Königreich Preußen hatte die militärische &#8220;Absicherung&#8221;  des Landes übernommen, unterhielt eine Garnison in der Hauptstadt und  konnte sich bald, da Luxemburg bis 1866 Teil des Deutschen Bundes war,  in die luxemburgische Innenpolitik einmischen. Bereits 1842 trat das  Großherzogtum dem Deutschen Zollverein bei und integrierte sich ab 1871  in den Zollraum des Deutschen Kaiserreichs. 1872 und 1902 sicherte sich  Berlin darüber hinaus die Kontrolle über die luxemburgische Eisenbahn  vertraglich zu.[1] Doch waren wirtschaftliche Dominanz und starker  Einfluss auf Teile der staatlichen Verwaltung dem Kaiserreich nicht  genug: Im Ersten Weltkrieg strebte Reichskanzler Bethmann-Hollweg die  Annektion des Gebietes an.</div>
</div>
<div class="chapter"></p>
<div class="title">Die Ursprünge des Finanzplatzes</div>
<p>
<div class="para">Tatsächlich besetzte das Deutsche Reich 1914 das  neutrale Großherzogtum und integrierte es vollends in die deutschen  Wirtschafts- und Militärstrukturen. Nur die als &#8220;deutschfreundlich&#8221;  geltende Großherzogin blieb im Amt. Nach der Niederlage Deutschlands im  Ersten Weltkrieg trat Luxemburg, das seine Selbständigkeit  wiedergewonnen hatte, aus dem deutschen Zollverein aus. Wirtschaftlich  wurde es zunächst Teil des belgischen und französischen  Einflussbereichs; es bildete eine Wirtschaftsunion mit Belgien (Union  Economique Belgo-Luxembourgeoise, UEBL), der belgische Franc wurde zur  Nationalwährung. Bereits Mitte der 1920er Jahre jedoch gelang es  Deutschland, seinen Einfluss auf dem Wege ökonomischer Kooperation  wieder zu stärken: Es entwickelte sich zum zweitwichtigsten  Handelspartner des Landes. Eingeschränkt durch die Dominanz der  ökonomischen Großmächte Deutschland und Frankreich und der Mittelmacht  Belgien, die über die UEBL starken Einfluss in Luxemburg ausübte,  forcierte die Regierung die Entwicklung des Finanzplatzes Luxemburg -  eine Entscheidung, die bis heute nachwirkt.[2]</div>
</div>
<div class="chapter"></p>
<div class="title">Unter dem Hakenkreuz</div>
<p>
<div class="para">Im Zweiten Weltkrieg wurde Luxemburg erneut vom nun  faschistischen Deutschland besetzt. Damit begann, urteilt der Historiker  Paul Dostert, &#8220;eine fast fünfjährige Leidensperiode&#8221;, die in der  Geschichte des Landes &#8220;einmalig dasteht&#8221;.[3] De facto wurde das Land vom  Deutschen Reich annektiert. Das Ziel des NS-Reichs gab der  stellvertretende Chef der oktroyierten Zivilverwaltung mit der Absicht  wieder, &#8220;Luxemburg von einer französisierten und  liberalistisch-demokratischen Geisteshaltung zu volksdeutschem und  sozialistischem Wesen hinzuführen, insbesondere die Quellen des  Volksdeutschtums wieder zu Tage zu fördern&#8221;. Von den rund 3.900 in  Luxemburg lebenden Juden, darunter zahlreiche Flüchtlinge aus dem  Deutschen Reich, konnten 750 nicht rechtzeitig entkommen; sie wurden in  die deutschen Vernichtungslager deportiert und dort ermordet. Hatte  Berlin bereits im Ersten Weltkrieg in der luxemburgischen Bevölkerung  Soldaten ausgehoben, ging es im Zweiten Weltkrieg zur Zwangsrekrutierung  junger Luxemburger über: 11.000 von ihnen mussten in der Wehrmacht für  Deutschland in den Krieg ziehen, bis zu 4.000 von ihnen fanden den  Tod.[4] &#8220;Die Gesamtbilanz der Toten&#8221;, schreibt Dostert, lag mit 5.700  &#8220;bei etwa 2 Prozent der Bevölkerung von 1940. Dies ist der zweithöchste  Verlust in Westeuropa.&#8221;</div>
</div>
<div class="chapter"></p>
<div class="title">Strukturwandel</div>
<p>
<div class="para">Auch nach dem Zweiten Weltkrieg baute die  Bundesrepublik ihren Einfluss auf Luxemburg zunächst auf  wirtschaftlichem Gebiet wieder aus. Bereits wenige Jahre nach Kriegsende  war sie zum größten Handelspartner des Landes geworden; der Warentausch  zwischen der wiederbelebten belgisch-luxemburgischen Union und der  Bundesrepublik wuchs zwischen 1957 und 1970 im Durchschnitt jährlich um  14 Prozent. Dabei vollzogen sich erhebliche Umbrüche: Aufgrund des  Niedergangs der luxemburgischen Stahlindustrie avancierte der  Bankensektor spätestens in den 1980er Jahren zum wichtigsten  Wirtschaftsfaktor des Landes.[5] Deutsche Finanzinstitute profitierten  davon. 1970 etablierte die Deutsche Bank ihre erste rechtlich  selbstständige Tochtergesellschaft außerhalb der BRD - in Luxemburg. Ihr  folgten zahlreiche weitere. Der Grund: Luxemburg gilt als das Land, das  &#8220;wie kein zweites in der EU von den Finanzmärkten profitiert&#8221;.[6] Zu  seinen Besonderheiten gehört, dass es von vermögenden deutschen  Staatsbürgern benutzt wird, um ihre Steuern dem deutschen Fiskus  vorzuenthalten. Der luxemburgische Historiker Emile Haag hat die  deutschen Finanzaktivitäten in seinem Land einst folgendermaßen  charakterisiert: &#8220;Wir gedeihen auf den Betrügereien von Deutschen,  Franzosen und Belgiern&#8221;.[7]</div>
</div>
<div class="chapter"></p>
<div class="title">Eingegliedert</div>
<p>
<div class="para">Heute steht Luxemburg insgesamt unter deutscher  Wirtschaftshegemonie. Die Bundesrepublik führt bei den luxemburgischen  Ex- und Importen, von denen sie jeweils rund ein Viertel abdeckt, mit  Abstand. Von den über 140 Banken in Luxemburg sind 40 Niederlassungen  deutscher Kreditinstitute. Mit der ökonomischen Dominanz geht  politischer Einfluss einher: Deutsche Politiker versuchen zum Beispiel,  das luxemburgische Sozialstaatssystem mit &#8220;deutschen Rezepten&#8221; zu  verändern. So beschwerte sich erst dieses Jahr die luxemburgische  Staatsbeamtengewerkschaft CGFP (Confédération Générale de la Fonction  Publique), dass deutsche Institutionen, unter anderem die &#8220;Stiftung  Marktwirtschaft&#8221;, die &#8220;öffentliche Meinung (&#8230;) beeinflussen und (&#8230;)  manipulieren&#8221; - um einen &#8220;Generalangriff (&#8230;) auf den Sozialstaat und  den traditionellen, auf hoheitsrechtlichen Grundsätzen beruhenden  öffentlichen Dienst&#8221; durchzuführen.[8] Dem Vorstand der &#8220;Stiftung  Marktwirtschaft&#8221; gehören unter anderem Bernd Raffelhüschen (Mitglied der  &#8220;Rürup-Kommission&#8221;) und der ehemalige Leiter des Bundestagsbüros des  prominenten CDU-Politikers Friedrich Merz, Michael Eilfort, an. Zu den  ehemaligen wissenschaftlichen Mitarbeitern der &#8220;Stiftung  Marktwirtschaft&#8221; gehört Gerhard Schick, der finanzpolitische Sprecher  der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.</div>
</div>
<div class="chapter"></p>
<div class="title">Ortsverein Luxemburg</div>
<div class="para">Seit Ende der 1970er Jahre existiert zudem ein  &#8220;CDU/CSU-Freundeskreis&#8221; in Luxemburg. Bei seinem 30-jährigen Jubiläum  war der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker zugegen.[9]  Darüber hinaus unterhält die deutsche SPD einen Ortsverein in dem  Großherzogtum, der dem SPD-Landesverband Saar angehört. Neben der  Parteipolitik nähern sich auch die staatlichen Verwaltungen Deutschlands  und Luxemburgs einander an: Innerhalb der &#8220;Euroregion Saar-Lor-Lux&#8221;  kooperieren die deutschen Bundesländer Saarland und Rheinland-Pfalz mit  dem Großherzogtum, der französischen Region Lorraine, der belgischen  Region Wallonie sowie der deutschsprachigen und der  französischsprachigen Gemeinschaft Belgiens.</div>
</div>
<div class="chapter"></p>
<div class="title">&#8220;Treuester Vasall&#8221;</div>
<div class="para">Ganz wie das dominierende Deutschland setzt sich die  politische Elite Luxemburgs seit je für den Ausbau der Europäischen  Union ein. Das hat mittlerweile ganz praktische Gründe: Im Großherzogtum  haben mit dem Europäischen Gerichtshof (EuGH), dem Europäischen  Rechnungshof (EuRH), der Europäischen Investitionsbank (EIB), dem  Sekretariat des Europäischen Parlaments, dem Amt für Veröffentlichungen  der Europäischen Union, dem Statistischen Amt der Europäischen Union  (EuroStat), dem Übersetzungszentrum für die Einrichtungen der  Europäischen Union und weiteren Institutionen eine nicht zu  vernachlässigende Zahl an EU-Apparaten ihren Sitz. Von der EU hängen  deshalb zahlreiche luxemburgische Arbeitsplätze ab. Der  deutsch-europäischen Umklammerung kann sich die politische Elite des  Landes schon lange nicht mehr entziehen. In ihr gründet beispielsweise  die außergewöhnlich zuverlässige Anlehnung des luxemburgischen  Ministerpräsidenten und Eurogruppenchefs Jean-Claude Juncker an die  bundesdeutsche Politik, die Kritiker zu scharfen Urteilen greifen lässt:  Juncker sei, heißt es etwa, &#8220;Deutschlands treuester europäischer  Vasall&#8221;.[10]</div>
</div>
<div class="chapter"></p>
<div class="title">Übermächtig</div>
<div class="para">Umso bemerkenswerter ist der Protest des  luxemburgischen Finanzministers Luc Frieden an der Praxis des  Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, Schweizer Bankkundendaten illegal zu  kaufen [11] - eine Straftat nach Schweizer Recht, die in Luxemburg mit  seinem dominanten Finanzsektor sehr aufmerksam wahrgenommen wird.  Schließlich trifft die deutsche Rechtsanmaßung im Grundsatz auch das  Großherzogtum, das sich dem Druck des übermächtigen Nachbarstaates noch  viel weniger als die Schweiz entziehen könnte - wie es die Geschichte  der beiden Länder zur Genüge beweist.</div>
<p>
</div>
<p></p>
<div class="note">[1], [2] Hans-Erich Volkmann: Luxemburg im Zeichen des  Hakenkreuzes. Eine politische Wirtschaftsgeschichte 1933-1944,  Paderborn/München/Wien/Zürich 2011. S. auch unsere <a href="http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58418">Rezension</a><br />
[3] Paul Dostert: Luxemburg unter deutscher Besatzung 1940-45. Die  Bevölkerung eines kleinen Landes zwischen Kollaboration und Widerstand,  www.zug-der-erinnerung.eu/dostert.html<br />
[4] Willard Allen Fletcher: The German Administration in Luxemburg  1940-1942: Toward a &#8216;De Facto&#8217; Annexation, in: The Historical Journal,  Jg. 13, Nr. 3 (1970), S. 533-544<br />
[5] Christoph Buchheim: Die Wirtschaftsbeziehungen Westdeutschlands zu  Westeuropa (1945-1970), in: Klaus Schwabe, Francesca Schinzinger (Hg.):  Deutschland und der Westen im 19. und 20.Jahrhundert: Deutschland und  Westeuropa, Stuttgart 1994, S. 39-54<br />
[6] Andreas Wehr: Garantien fürs Finanzkapital, junge Welt 22.08.2011<br />
[7] Jeanne A. K. Hey: Luxembourg&#8217;s Foreign Policy: Does Small Size Help  or Hinder?, in: Innovation: The European Journal of Social Science  Research, Jg. 15, Nr. 3 (2002), S. 211-225<br />
[8] CGFP contra Klassenkampf von oben; www.zlv.lu 23.05.2012<br />
[9] www.cducsu.lu<br />
[10] Otto Köhler: Führerin des Kontinents, junge Welt 30.12.2011<br />
[11] Die Schweiz erhält Schützenhilfe aus Luxemburg; bazonline.ch 04.09.2012</div>
<p>
<em>german-foreign-policy.com, 06.09.2012</em></p>
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		<title>Fragile Partnerschaft von Venezuela und Belarus?</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Sep 2012 10:26:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David X. Noack</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Konservativer Kritiker sieht unterschiedliche Vorstellungen der bilateralen Kooperation. Weißrussland werden kurzfristige Absichten unterstellt
Die belarussischen Erdölimporte aus Venezuela sind im ersten Halbjahr  2012 um 62,6 Prozent gesunken. Laut dem belarussischen Statistikamt Belstat umfasst  das Volumen der Erdöleinführen aus dem südamerikanischen Land nun nur  noch rund 330.000 Tonnen. Russland ist mit Abstand weiterhin der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Konservativer Kritiker sieht unterschiedliche Vorstellungen der bilateralen Kooperation. Weißrussland werden kurzfristige Absichten unterstellt</strong></p>
<div class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://www.flickr.com/photos/chavezcandanga/5087316404/in/photostream/"><img title="Chavez und Lukaschenko (Quelle: chavezcandanga@Flickr)" src="http://farm5.staticflickr.com/4113/5087316404_702abbbab9.jpg" alt="Chavez und Lukaschenko (Quelle: chavezcandanga@Flickr)" width="500" height="353" /></a><p class="wp-caption-text">Chavez und Lukaschenko (Quelle: chavezcandanga@Flickr)</p></div>
<p>Die belarussischen Erdölimporte aus Venezuela sind im ersten Halbjahr  2012 um 62,6 Prozent gesunken. Laut dem belarussischen Statistikamt <a title="Kyiv Post" href="http://www.kyivpost.com/content/russia-and-former-soviet-union/belarus-increases-imports-of-petroleum-products-230-311799.html">Belstat</a> umfasst  das Volumen der Erdöleinführen aus dem südamerikanischen Land nun nur  noch rund 330.000 Tonnen. Russland ist mit Abstand weiterhin der  wichtigste Lieferer für Erdöl nach Belarus. Experten und Politiker sind  sich uneins, ob die belarussisch-venezolanischen Beziehungen eine  Zukunft haben.</p>
<p>Erst Ende Juni hatte der belarussische Staatspräsident Alexander  Lukaschenko Kuba, Venezuela und Ecuador bereist und dabei verschiedene  Verträge abgeschlossen. So einigten sich die Staatsoberhäupter Alexander  Lukaschenko und Hugo Chávez unter anderem auf den Bau neuer  &#8220;Agrarstädte&#8221;, beispielsweise im venezolanischen Bundesstaat <a title="BelTA" href="http://news.belta.by/de/news/econom?id=685966">Guarico</a>. Auch ein <a title="RIA" href="http://en.rian.ru/world/20120704/174399443.html">Kosmodrom</a> im venezolanischen Bundesstaat Aragua wollen die beiden Staaten  mithilfe chinesischer Kredite errichten. Die Anlage soll  wissenschaftlichen Zwecken dienen und den Start von Satelliten  vorbereiten. Insgesamt schlossen Venezuela und Belarus <a title="BelTA" href="http://news.belta.by/de/news/econom?id=686665">24 Verträge</a> und betonten die &#8220;strategische Partnerschaft&#8221; zwischen beiden Staaten.</p>
<p>Ein Autor des in den USA beheimateten neokonservativen Think Tanks  Jamestown Foundation, David Marples (Professor an der Universität  Alberta), versucht in einem Artikel die <a title="Jamestown" href="http://www.jamestown.org/single/?no_cache=1&amp;tx_ttnews%5Bswords%5D=8fd5893941d69d0be3f378576261ae3e&amp;tx_ttnews%5Bany_of_the_words%5D=Belarus&amp;tx_ttnews%5Btt_news%5D=39674&amp;tx_ttnews%5BbackPid%5D=7&amp;cHash=836fff5ac9a867d0c108b9b9fc418ae9">unterschiedlichen Interessenlagen </a>herauszuarbeiten.  So sei die verstärkte Kooperation Weißrusslands mit Venezuela ein guter  Startpunkt für weitere ökonomisch vielsprechende Engagements auf dem  lateinamerikanischen Markt, vor allem in Brasilien, Argentinien und  Chile. Außerdem betont der Beitrag, dass der belarussische Vizepremier  Uladzimir Syamashka am 7. Juni diesen Jahres das Ende der  venezolanischen Öllieferungen nach Belarus angekündigt hatte, da sie  ökonomisch unsinnig seien.</p>
<p>Doch als Präsident Lukaschenko Ende Juni Richtung Lateinamerika  reiste, kündigte der Berater des belarussischen Präsidenten, Viktor  Sheiman, wiederum an, dass der GUS-Staat seine Öl-Importe aus Venezuela  verfünffachen wolle. Abgesehen von den Widersprüchen ist klar, dass der  venezolanische Ölimport nach Osteuropa aus ökonomischer Sicht fraglich  ist. Auch arbeitet der Think Tank-Autor Marples heraus, dass die  ideologischen Unterschiede zwischen Chávez und Lukaschenko groß sind -  der venezolanische Präsident steht etwa in einigen Fragen der russischen  Außenpolitik näher als die Regierung des russischen Nachbarlandes  Belarus. Weißrusslands Spitzenpolitiker würden wahrscheinlich nur  kurzfristige wirtschaftliche Alternativen suchen, bis die Ökonomie des  Landes wieder mehr Möglichkeiten hat, so Marples.</p>
<p>In Venezuela sind die Beziehungen zu Belarus ein großer politischer  Streitpunkt. So hat die Opposition in ihrem Wahlprogramm für die  Präsidentschaftswahlen im Oktober der Regierung vorgeworfen,  &#8220;traditionelle und geographisch nahe Märkte vernachlässigt zu haben, um  sich mit fernen Ländern wie China, Russland und Belarus zu verbinden&#8221;.  Ob die ökonomische Verflechtung Venezuelas mit dem osteuropäischen Staat  sowie die Verkündung einer &#8220;strategischen Partnerschaft&#8221; wirklich eine  dauerhafte Basis haben, wird sich zeigen.</p>
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		<title>Mehr Staat gefragt</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Aug 2012 18:50:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David X. Noack</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Robert Fico regiert seit April wieder die Slowakei. Er stoppt  Privatisierungen und macht die Steuerpolitik gerechter. Reform der  Krankenversicherung im Mittelpunkt
Für die erste Regierung des slowakischen Sozialdemokraten Robert Fico  (2006 bis 2010) hatten Medien und Politik noch wenig schmeichelhafte  Vergleiche wie »Kabinett des Grauen« oder »Pjöngjang an der Donau«  übrig. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Robert Fico regiert seit April wieder die Slowakei. Er stoppt  Privatisierungen und macht die Steuerpolitik gerechter. Reform der  Krankenversicherung im Mittelpunkt</h2>
<p>Für die erste Regierung des slowakischen Sozialdemokraten Robert Fico  (2006 bis 2010) hatten Medien und Politik noch wenig schmeichelhafte  Vergleiche wie »Kabinett des Grauen« oder »Pjöngjang an der Donau«  übrig. Zwei Jahre nach seiner Abwahl ist Fico wieder im Amt. Die  Fraktion der Sozialdemokratischen Parteien Europas (SPE) gewährte ihrer  slowakischen Tochter SMER sogar aktive Wahlkampfhilfe und schickte den  Vorsitzenden Hannes Swoboda nach Bratislava. 2006 hatte die SPE die SMER  wegen der Wahl ihrer Koalitionspartner aus ihren Reihen ausgeschlossen.  Swoboda zeigte sich damals »geschockt« über die gemeinsame Regierung  der Sozialdemokraten mit der rechten Nationalpartei und drohte als einer  der ersten »Konsequenzen« an.</p>
<p>Die neue SMER-Regierung hat sich für die Wahlkampfhilfe revanchiert. Sie  versprach, die Brüsseler Sparvorgaben einzuhalten und gleichzeitig  nicht der Bevölkerung »in die Taschen zu greifen«. Das Kabinett »Fico 2«  sicherte sozusagen »allen alles« zu (siehe jW, 23.3.2012). Um das Ziel  eines ausgeglichenen Haushalts und die Schonung der Bevölkerung unter  einen Hut zu bringen, sollten vor allem Unternehmen und  Besserverdienende zur Kasse gebeten werden.</p>
<p>Diese Pläne werden nun konkret. Im Zentrum der neuen Politik steht die  grundlegende Reform der Krankenversicherung. In der ersten Amtszeit  Ficos hatte er bereits private Krankenversicherer gesetzlich  verpflichtet, einen Teil ihrer Profite ins Gesundheitssystem zu  reinvestieren. Diese Regelung war im Januar 2011 vom slowakischen  Verfassungsgericht kassiert worden. Der neue Anlauf der Regierung geht  über den ersten hinaus. Fico erklärte, daß eine Krankenversicherung  ausreichen müßte. Derzeit teilen sich die staatliche Versicherung sowie  die zwei privaten Versorger »Dôvera« (»Vertrauen«) und »Union« den  Markt. Ersterer gehört dem tschechisch-slowakischen Hedge-Fonds »Penta  Group«. Dessen mutmaßliche Verwicklungen in eine Korruptionsaffäre  bescheren den liberalkonservativen Parteien derzeit ein Umfragetief. Die  kleinere »Union« gehört dem niederländischen Finanzkonzern »Achmea«.</p>
<p>Einen Aufkauf der privaten Krankenversicherer hatte das erste  Fico-Kabinett bereits diskutiert, aufgrund mangelnder Rücklagen jedoch  verworfen. Am Geldmangel hat sich bis heute nichts geändert. Nun soll  zunächst versucht werden, den Wechsel in die staatliche »Allgemeine  Krankenversicherungsanstalt« (VSZP) zu erleichtern. Die VSZP zeichnet  sich dadurch aus, daß sie ihre Profite in einem Gesundheitsfonds für  ihre Kunden anlegt. Die privaten Unternehmen wiederum führen ihre  Profite von momentan gut 41 Millionen Euro an ihre Anleger ab. »Union«  erklärte, trotz der Wünsche des Ministerpräsidenten auf dem Markt  präsent bleiben zu wollen. Liberale Medien spekulieren derzeit über  Versuche der Regierung, Mehrheitsanteile der privaten Versicherer zu  kaufen. Doch auch eine Verstaatlichung scheint nicht ausgeschlossen.</p>
<p>Es sind nicht die einzigen Unterschiede zur liberalkonservativen  Vorgängerregierung von Iveta Radicová (2010–2012): Bereits zu Beginn des  Jahres hatten die Sozialdemokraten die von Radicová begonnenen  Privatisierungen gestoppt. Auf die slowakische Bahngesellschaft, diverse  Heizkraftwerke sowie die Flughäfen von Bratislava und Košice hatten vor  allem deutsche und österreichische Konzerne geschielt. Als nächstes  verschärfte das Kabinett Regeln für Leiharbeit sowie das Anheuern von  »Scheinselbständigen«. Auch die Rechte von Gewerkschaften sollen wieder  ausgebaut werden.</p>
<p>Für europaweite Aufregung sorgte die Ankündigung, die vom  liberalkonservativen Mikuláš Dzurinda eingeführte »Flat tax« wieder  aufzuheben. Während seiner ersten Amtszeit war Fico mit einem  entsprechenden Versuch gescheitert. Ihm war es lediglich gelungen, die  einheitliche Besteuerung auf Einkommen, Körperschaften und Konsum von 19  Prozent etwas aufzuweichen. Nun soll ernst gemacht werden. Die neue  Steuerprogression soll dem slowakischen Fiskus Einnahmen in Höhe von 366  Millionen Euro bescheren und die starken sozialen Verwerfungen der  Einheitsbesteuerung wettmachen.</p>
<p>Darüber hinaus ist ab September eine Sonderabgabe für Energieversorger,  Pharmaunternehmen und Telekommunikationsdienstleister fällig. Die von  den Liberalen eingeführte Bankensteuer soll verdoppelt werden.  Öffentlichkeitswirksam hat Fico zudem angekündigt, zwei Feiertage –  einen religiösen und einen staatlichen – zu streichen, um die Wirtschaft  anzukurbeln. Privat rentenversicherte Slowaken dürfen wieder in die  früher obligatorische Rentenversicherung wechseln. Die Privatisierung  des Rentenwesens war ein Herzstück der liberalen Regierung Mikuláš  Dzurindas (SDKÚ-DS). Damals war der beim in Washington beheimateten  »Cato Institute« beschäftigte Ökonom José Piñera, Bruder des derzeitigen  konservativen Präsidenten Chiles, mehrmals in der Slowakei, um die  Liberalen des Donauanrainerlandes zu beraten.</p>
<p>Doch der Gegenwind wird immer stärker. Über Änderungen im Arbeitsrecht  und neue Sondersteuern für Unternehmen haben sich bereits die  österreichische, deutsche, schwedische und natürlich die slowakische  Handelskammer beschwert. Die liberalkonservative Opposition, deren  unterschiedliche Parteien in Umfragen zwischen fünf und sieben Prozent  herumdümpeln, sammelt derzeit Unterschriften gegen die Änderungen im  Rentenrecht. Auch in Brüssel ist man besorgt: Die Euro­päische  Kommission prüft derzeit, ob die Sonderabgabe für Energie-, Pharma- und  Telekom-Unternehmen mit EU-Recht vereinbar ist.</p>
<p>Gleichwohl hat Robert Fico bereits während seiner ersten Amtszeit seine  Beharrlichkeit bewiesen. Sollte Brüssel Teile der Maßnahmen kassieren,  dürfte er über genügend politisches Geschick verfügen, seine Reformen  auf anderem Wege durchzusetzen. Sicher ist lediglich, daß die  westeuropäische Presse die nächsten vier Jahre weitere Erzählungen von  Robert Fico über seinen »autoritären Führungsstil« (Märkische  Oderzeitung) auf seinen »populistischen Pfaden« (Stuttgarter Zeitung)  präsentieren wird.</p>
<p><em>junge Welt, 28.08.2012</em></p>
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		<title>Kuba und Russland verhandeln über russischen Stützpunkt</title>
		<link>http://davidnoack.net/v2/2012/07/kuba-und-russland-in-verhandlungen-uber-russischen-stutzpunkt/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Jul 2012 10:26:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David X. Noack</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Oberbefehlshaber der russischen Marine, Vize-Admiral Viktor Tschirkow, hat bekannt gegeben, dass die Russische Föderation Möglichkeiten der Stationierung ihrer Seekriegsflotte in Kuba erwägt. Es sollen jedoch keine umfassenden Militärstützpunkte entstehen, sondern &#8220;Punkte der materiell-technischen Versorgung&#8221;, sagte Tschirkow in einem Gespräch mit der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Zurzeit verfügt Russland über solch einen Versorgungspunkt im syrischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong></strong>Der Oberbefehlshaber der russischen Marine, Vize-Admiral Viktor Tschirkow, hat bekannt gegeben, dass die Russische Föderation Möglichkeiten der Stationierung ihrer Seekriegsflotte in Kuba erwägt. Es sollen jedoch keine umfassenden Militärstützpunkte entstehen, sondern &#8220;Punkte der materiell-technischen Versorgung&#8221;, sagte Tschirkow in einem Gespräch mit der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Zurzeit verfügt Russland über solch einen Versorgungspunkt im syrischen Tartus, die vietnamesische Regierung hat jüngst den Hafen von Cam Ranh zur Verfügung gestellt und Moskau strebt neben Kuba noch eine solche Basis auf den Seychellen an.</p>
<p>Der russische Außenminister Sergej Lawrow bestätigte diese russische Absicht und sagte: &#8220;Mit unseren kubanischen Freunden haben wir diese Möglichkeit besprochen.&#8221;</p>
<p>Ab 1967 unterhielt die Sowjetunion im nordkubanischen Lourdes eine Abhörstation, die eine Überwachung Nordamerikas ermöglichte. Russland übernahm nach dem Zerfall der Sowjetunion den Stützpunkt. Nach einer Bitte der Regierung George W. Bushs im Jahr 2001 beendete Moskau die Zusammenarbeit mit Kuba im &#8220;Radioelektronischen Zentrum von Lourdes&#8221; 2002 abrupt. Kubanische Regierungsvertreter zeigten sich damals unerfreut über die &#8220;Nachgiebigkeit&#8221; und &#8220;Feigheit&#8221; des russischen Präsidenten Wladimir Putin.</p>
<p>Mit der Stärkung einer eigenständigen Außenpolitik Russlands verbesserten sich auch die Beziehungen zu Kuba seit dem Jahr 2008 wieder. Für Aufregung in den USA sorgten damals Gerüchte, dass Russland strategische Bomber auf Kuba stationieren könnte. Die Regierung Castro hielt sich zu dem Thema bedeckt.</p>
<p class="sourceline">(<a title="David X. Noack" href="http://amerika21.de/autor/david-x-noack">dxno</a>/<a href="http://de.ria.ru/politics/20120727/264070086.html">rian</a>/<a href="http://de.rian.ru/security_and_military/20120729/264081005.html">rian</a>)</p>
<p class="sourceline">amerika21.de, 30.07.2012</p>
<p class="sourceline">
<p><a href="http://flattr.com/thing/789888/Kuba-und-Russland-in-Verhandlungen-uber-russischen-Stutzpunkt" target="_blank"><br />
<img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0" /></a></p>
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