»Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.« — Benjamin Franklin
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David X. Noack

Kritische Perspektiven auf Geschichte und internationale Politik

Nicaragua bricht diplomatische Beziehungen zu Taiwan ab

Die Regierung von Nicaragua hat die diplomatischen Beziehungen zur Republik China (Taiwan) abgebrochen und nimmt erneut diplomatische Beziehungen mit der Volksrepublik China auf. Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen verschiedenen Großmächten über den Umgang mit dem Nicht-UNO-Staat Taiwan.

Bereits 1985 hatte die damalige sandinistische Regierung die Beziehungen zu Taiwan abgebrochen und Beziehungen mit Peking aufgenommen. Nach dem Wahlsieg der neoliberalen Opposition im Jahr 1990 wechselte das kleine mittelamerikanische Land wieder zurück und pflegte fortan wieder Beziehungen zu Taipeh.

Als die Sandinisten nach den Wahlen von 2007 wieder an die Regierung kamen, schlug der neue Präsident Daniel Ortega vor, dass sein Land diplomatische Beziehungen zu beiden chinesischen Regierungen unterhalten könnte. Peking lehnte dies als Verstoß gegen das Prinzip der Ein-China-Politik ab. Der damalige Vizepräsident Jaime Morales Carazo (im Amt 2007 bis 2012) wies die Ansprüche der Volksrepublik China zurück und besuchte Taiwan in einem symbolischen Akt. Die Regierung in Taipeh machte Entwicklungshilfezusagen an Nicaragua und lieferte beispielsweise Stromgeneratoren an das lateinamerikanische Land.

Im vergangenen Jahrzehnt versuchte die nicaraguanische Regierung erneut einen doppelten Ansatz zu fahren, indem sie Beziehungen zu Hong Kong, einer autonomen Zone der Volksrepublik China, etablierte. Ab dem Jahr 2012 plante die Hong Kong Firma HK Nicaragua Canal Development Investment (HKND), den Bau des Nicaraguakanals zu forcieren. Das Projekt scheiterte und die Büros der Firma schlossen wieder.

Für Taiwan bedeutet die Beendigung der diplomatischen Beziehungen durch die Regierung Ortega einen weiteren Rückschlag auf der internationalen Bühne. Derzeit erkennen nur noch 14 Staaten Taiwan als die einzige chinesische Regierung an, darunter acht aus der Region Lateinamerika und der Karibik. Die diplomatischen Verbündeten Taiwans wurden auch dort zuletzt weniger: Panama, El Salvador und die Dominikanische Republik erkannten in den letzten fünf Jahren die Regierung in Peking an und nicht mehr die in Taipeh.

guardian / taiwannews / googlebooks

Erschienen auf: amerika21.de, 11.12.2021.

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