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David X. Noack

Geschichte und internationale Politik im linken Fokus

Tor geschlossen

Auf Transnistrien wirkt sich der Krieg in der Ukraine vor allem wirtschaftlich aus

Westliche Politiker und Medien haben die vergangenen Monate immer wieder darauf aufmerksam gemacht, daß die abtrünnige moldauische Republik Transnistrien (Pridnestrowje) zu einer »zweiten Krim« werden könnte. Die international nicht anerkannte Regierung von Jewgeni Schewtschuk hat auch zum wiederholten Male betont, daß Transnistrien gerne der Russischen Föderation beitreten wolle. Doch geschehen ist das bislang nicht und es scheint auch weiterhin nicht realistisch.

Während nach wie vor russische Truppen in der Republik in der Region Ostmoldau stationiert sind, sind die wirtschaftlichen Auswirkungen der Ukraine-Krise auf Transnistrien einschneidend, wenn auch nicht unmittelbar spürbar. Odessa funktionierte jahrelang als Transnistriens Tor in die Welt. Doch russische Staatsbürger im wehrfähigen Alter dürfen nicht mehr in die Ukraine einreisen, und Transnistrier mit einem ukrainischen Paß wollen meist nicht, da sie sonst zum Kriegsdienst im Donbass herangezogen würden. Versicherungsunternehmen übernehmen für den Transit in die Ukraine keine Garantien mehr, und der Export nach Osten und Süden ist nahezu versiegt.

Unternehmen wie Tirotex, die zweitgrößte Textilfabrik in Europa, können sich nun nur noch auf den westeuropäischen Markt konzentrieren. Tirotex produziert unter anderem für die deutsche Aldi-Kette als Billigzulieferer. Der Hauptabsatzmarkt von Kvint, der ältesten Cognac-Fabrik der Region, ist wiederum der Raum der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (der ehemaligen Sowjetunion; GUS). Auf deren Export wirkt sich die Ukraine-Krise verheerend aus. Viele warten in Transnistrien auf eine Normalisierung der Lage, auch die Unternehmer.

Für Aufsehen sorgte in Transnistrien, daß Wladimir Antjufejew, der 20 Jahre als KGB-Chef der Region amtierte, nun »Minister für Nationale Sicherheit« der international nicht anerkannten Volksrepublik Donezk geworden ist. Die Sympathie in der transnistrischen Bevölkerung ist auf der Seite der Donbass-Rebellen. »Ich kann mit den Menschen im Donbass mitfühlen, ich würde auch an ihrer Seite kämpfen«, erklärte beispielsweise ein Landwirt bei Tiraspol, der sich selbst als »Kolja« bezeichnete.

Erschienen in: junge Welt, 15.07.2014.

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