»Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst.« — Franklin D. Roosevelt
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David X. Noack

Geschichte und internationale Politik im linken Fokus

Rezension: Geheime Solidarität – Militärbeziehungen und Militärhilfen der DDR in die »Dritte Welt«

In den 1970er und 80er Jahren schrieben westeuropäische und vor allem westdeutsche Zeitungen immer wieder über vermeintliche und tatsächliche Einsätze der Armee der DDR in Afrika und anderen Teilen der Welt. Die Angaben zu den angeblich dafür eingesetzten NVA-Soldaten gingen dabei bis in die Zehntausende. Lange blieb das Themenfeld unbearbeitet und die fiktiven Zahlen aus der Presse der Bundesrepublik fanden Eingang in wissenschaftliche Artikel.

Klaus Storkmann legt mit seiner Dissertation „Geheime Solidarität – Militärbeziehungen und Militärhilfen der DDR in die »Dritte Welt«“ zum ersten Mal eine umfassende Arbeit zur Militärpolitik des ostdeutschen Staates gegenüber verschiedenen Staaten des Südens vor. Das erste Drittel der Arbeit nimmt dabei die Einleitung sowie die Einführung in Akteure, Motive und Ziele ein. Inhaltlich schlüssig arbeitet der Autor dabei heraus, wer die entscheidenden Personen auf dem Feld der DDR-Militärpolitik waren und wie sich deren Rollen in 40 Jahren DDR-Geschichte entwickelten.

Nachdem die DDR die ersten anderthalb Jahrzehnte alle Anfragen von „Befreiungsbewegungen“ und Staaten außerhalb Europas ablehnte, änderte sich die Politik der Waffenverkäufe und Entsendung von Militärberatern als Reaktion auf die „neue Ostpolitik“, die ab der Kanzlerschaft Georg Kiesingers (1966-1969) einsetzte. Diplomatisch durch die Bundesrepublik in die Enge getrieben, versuchte die DDR-Staatsführung sich durch kostenlose und kommerzielle „spezielle Exporte“ (Militärhilfe) neuen Spielraum auf dem internationalem Parkett zu erarbeiten. Das jahrzehntelange Streben nach internationaler diplomatischer Anerkennung sowie der auch in Afrika ausgetragene sowjetisch-chinesische Gegensatz spielten dabei wichtigen Rollen.

Das äußerst umfangreich mit Fußnoten versehene Buch ist verständlich geschrieben. Der Autor zeigt an mehreren Stellen neue Aufgabenfelder für die militärhistorische Forschung auf und verweist auf grundlegende Werke in angrenzenden Themen. Einzig die verwirrende Formatierung der Fußnoten und der Bibliographie sowie die zugunsten der Verständlichkeit etwas vereinfachten politökonomischen Zusammenhänge sind als Einschränkungen zu erwähnen. Die beigefügten Karten sind gut lesbar und bieten dem Leser eine Orientierung, sind aber auch nicht herausragend in ihrer Aussage. Der Militärhistoriker Klaus Storkmann hat mit der vorliegenden Publikation insgesamt ein umfassendes Werk geschaffen, das eine Lücke in der Forschung über die DDR-Militärgeschichte zu schließen vermag.

von Klaus Storkmann, Ch. Links Verlag, Berlin 2012, 687 Seiten, € 49,90

Österreichische Militärische Zeitschrift, 05/2013

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